Regionalgruppe Sachsen der ibg (1982 - 2016)

Aktuelle Meldung vom: 16.09.2017

Christian Löhr

Ein Kapitel Bonhoeffer-Rezeption –

gewachsen in der DDR und groß geworden im vereinigten Deutschland:

Die Regionalgruppe Sachsen der ibg (1982 –2016).
Dankbarer Rückblick und Hinweis auf ihre letzte Veröffentlichung


Christian Löhr

Eine schmale, schlicht gestaltete Broschüre im Format DIN A 4 von  60 Seiten mit dem schnörkellosen Thema „Kirche“ und dazu drei Fragen: „Was ist sie? Was tut sie? Wofür benötigen wir sie?“ – so liegt sie seit etwa einem Jahr gedruckt vor: die Veröffentlichung  der Regionalgruppe Sachsen der Internationalen Bonhoeffer-Gesellschaft, Deutschsprachige Sektion. Mit ihr schließt sich ein Kreis, der für die stattliche Zeit von 35 Jahren einen kleinen Kreis Bonhoeffer-Interessierter von Laien und Theologen erstmals im Januar 1982 in der Wohnung des Stadtsuperintendenten von Dresden, Dr. Christoph Ziemer zusammenführte und der sich seither in mit der Zeit wechselnden Besetzungen unter der kundigen Leitung von Rainer Wagner immer wieder in Dresden traf.

1981, auf der zweiten Jahrestagung des Internationalen Bonhoefferkomitees beim Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR war, in Aufnahme einer Anregung von Bischof Schönherr, die Basis für die Rezeption Bonhoeffers in den Kirchgemeinden zu verbreitern, auf Iniative verschiedener sächsischer Mitglieder des ibk DDR die Idee dazu gefasst worden. Auch die spätere Gründung von Freundeskreisen ging auf diese Ursprungsinitiative zurück.

Von Anfang an ging es der Sächsischen Regionalgruppe um die praktische Umsetzung von Bonhoeffers Erbe in der Gemeindearbeit. Ihr Ziel: Immer wieder bei entsprechenden Gelegenheiten (Gedenktagen) und zu aktuellen Themen Arbeitshilfen dafür zu erarbeiten und zu publizieren (natürlich zunächst im Rahmen der eingeschränkten technischen Möglichkeiten der achtziger Jahre in der DDR). Rückblickend ist zu sagen, dass durch die Person von Christoph Ziemer die sächsische Regionalgruppe indirekt auch in die Vorgeschichte der sog. Friedlichen Revolution eingebunden war, die am 8. Oktober 1989 ihren ersten Höhepunkt erlebte.

Die verschiedenen Projekte, die die Regionalgruppe durchführte und die Arbeitshilfen, die sie erstellte. zeigen eine erstaunliche Vielfalt.
Im Herbst 1984 veranstaltete sie ein erstes Seminar für junge Christen zum Thema „Bonhoeffer und der Widerstand“.
Ostern 1985 erschien eine vervielfältige Gestaltungshilfe für einen Gedenkgottesdienst anlässlich von Bonhoeffers 40. Todestag und im Frühjahr 1989 eine Arbeitshilfe für Gemeindeseminare zum Thema „Kirche ohne Privilegien“.

Nachdem die Regionalgruppe 1992 in die neu begründete ibg übernommen worden war, veranstaltete sie im Mai 1993 eine bundesweit ausgeschriebene Tagung in Bärenfels/Erzgebirge zum Thema: „Kirche ohne Privilegien – rechnet sich das?“
Im Frühjahr 1995 erschien eine Gestaltungshilfe für einen Gedenkgottesdienst zum 50. Todestag von Bonhoeffer.

Ein Schwerpunkt war die Beschäftigung mit Bonhoeffer im Religionsunterricht. So veranstaltete die Regionalgruppe 1997 eine Fortbildungstagung  für Religionslehrer in Reinhardsbrunn zum Thema: „Bonhoeffer Schülern nahebringen“. Vorangegangen war in den Jahren 1994 bis 1996 eine intensive Durchsicht religionspädagogischer Materialien zu Bonhoeffer im Zusammenwirken mit dem Institut für Ev. Theologie an der TU Dresden. Es folgten 1997 und 1998 zwei eintägige Fortsetzungsveranstaltungen in Dresden.

1997/98 konnte eine erste Gestaltungshilfe für die Jugendarbeit zu Bonhoeffer unter dem Titel „Von guten Mächten wunderbar geborgen… Dietrich Bonhoeffer: Ein außergewöhnliches Leben aus dem Glauben“ gedruckt werden (mit Diaserie und Material für Leiter von Jugendgruppen sowie einer Diaserie – ca. 3.500 Exemplare).

April 2002 veranstaltete die Regionalgruppe ein bundesweit ausgeschriebenes Bonhoeffer-Kolloquium in Moritzburg bei Dresden zum Thema „Frieden – Gewalt – Sicherheit: Bonhoeffers Erben zwischen den Fronten“ (Mitwirkung u.a. Institut für Ev. Theologie an der TU Dresden, Offiziershochschule Dresden) und von April bis Juli 2005 in Zusammenarbeit mit dem Institut für Ev. Theologie an der TU Dresden eine Seminarreihe für deren Studenten zu Bonhoeffer mit 12 Vorträgen.

Ebenfalls 2005 erschien das von der Regionalgruppe Sachsen erstellte und von Roland Biewald herausgegebene Arbeitsbuch Dietrich Bonhoeffer – lesen und verstehen“ in der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig, Als Autoren sind beteiligt: Roland Biewald, Wolfgang Blech, Eva Fordran, Christian Löhr, Hanno Schmidt und Rainer Wagner. Das Geleitwort schrieb Altbischof Schönherr.
Februar 2009 schaltete sich die Regionalgruppe in die Diskussion um aktuelle Gestalt der Kirche ein und gestaltete die thematische Einheit auf der Ephorenkonferenz der sächsischen Landeskirche  in Meißen (Vortrag/Gespräch) zum Thema: „Kirche der Freiheit – Kirche für andere?“

Und nun also als letzte Veröffentlichung: „Kirche – Was ist sie? Was tut sie? Wofür benötigen wir sie?“ Die Verfasser nennen diese schmale und gehaltvolle Broschüre im Untertitel „Fragen von heute – im Gespräch mit  Dietrich Bonhoeffer. Anregungen zur Gestaltung von Gruppengesprächen in Gemeinde und Schule“.

Im ersten Teil entfalten die Verfasser in acht Themenbereichen nach einem gleichlautenden Schema: „Das Problem – Zur Position Bonhoeffers – Gesprächsimpulse“ die sich heute stellenden Anfragen zum Thema Kirche, die Akzente, die Bonhoeffer bei diesem Thema setzt und die Impulse für ein an Bonhoeffer orientiertes Weiterdenken des Themas. Beigegeben sind zudem Hinweise auf Texte von Bonhoeffer und weiterführende Literatur.

Die Themenbereiche: Kirche als Gemeinschaft, Kirche als Organisation, Kirche und persönliche Frömmigkeit, Kirche und Konfession, Kirche und Kultur, Kirche und Kunst, Kirche und Politik und abschließend die Frage:  Was ist Kirche? Die einzelnen kurzen und gut lesbaren Abschnitte ermutigen alle, an der Gestaltung unserer Kirche Beteiligten und Interessierten sowohl zum Selbststudium wie zum Gespräch in Gemeindegruppen aller Art. Indem sie davon ausgehen, dass Kirche von unten her, aus der Gemeinde und den in ihr sich Versammelnden gebildet wird und nicht von oben her durch Verordnungen und Gesetze, sind sie ein wichtiger Beitrag innerhalb der Veränderungsprozesse, denen unsere Kirchen derzeit in der Gesellschaft unterliegen. Sie bieten keine Lösungen, aber bedenkenswerte Anregungen.

Der zweite Teil, besonders nützlich für alle nicht vom Fach her mit Bonhoeffers Gedanken befassten, bietet wichtige bekannte, aber auch z. T. entlegene Texte Bonhoeffers zu den verschiedenen Facetten des Themas Kirche.

In einem Anhang sind die informative Zeittafel (nach E. Bethge), einige Bilder und ein kleines Glossar beigegeben.
Insgesamt ist den Verfassern für die Mühe, die sie sich mit dieser Veröffentlichung gemacht haben, zu danken.


Interessenten können sich an das Theologisch-Pädagogische Institut (TPI) der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens, Bahnhofstr. 9, D – 01468 Moritzburg, Tel.: (0049) 35207 84500;
Fax (0049) 35207 84510 wenden. E-mail: sekretariat|bei|tpi-moritzburg.de; Internet: www.tpi-moritzburg.de.


Zum Ende des Jahres 2016 hat die Regionalgruppe ihre Arbeit eingestellt. Alles Ding hat seine Zeit, auch gute Dinge. Die ibg ist dankbar für die Arbeit, die in dieser Regionalgruppe über lange Zeit mit großer Kontinuität und Intensität geleistet worden ist. Dieser Dank gilt allen, die da mitgearbeitet haben, besonders Dr. Christoph Ziemer, dem ersten prägenden Ideengeber, der uns über Jahre seine Wohnung öffnete, sodann denen, die in großer Treue die Regelmäßigkeit der Arbeit garantierten und nach Christoph Ziemers Weggang aus der Landeskirche uns einen Ort boten: Irmgard und Rainer Wagner, sowie Prof. Dr. Roland Biewald vom Institut für Ev. Theologie an der TU Dresden für seine Mitarbeit seit Beginn der 90-er Jahre und die Kooperation mit der TU Dresden.

Wenn durch die Arbeit der Regionalgruppe da und dort im Lande bei Christen und Heiden das Bewußtsein dafür gewachsen ist, dass die Kirche Jesus Christi „mit dem Wort des Christus praesens als ihrem Herrn allein steht und fällt“ und also „wenn sie darauf sieht“ getrost und zuversichtlich sein kann und wir mit ihr, dann hat sich ihre Arbeit gelohnt.

Redaktionelle Nachbemerkung:
Der Verfasser war von ihrer Gründung bis 2013 Mitglied der Regionalgruppe Sachsen der ibg

Pfr. i.R. Dr. Christian Löhr, Walther-Rathenau-Platz 14, D-14770 Brandenburg

Weitere Literatur:
Biewald, Roland (Hrsg.), Dietrich Bonhoeffer lesen und verstehen, Leipzig 2005




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