Gibt es „Letztes und Vorletztes“ in Luthers Leben?

Aktuelle Meldung vom: 24.09.2017

Ferdinand Schlingensiepen

Auf der Jahrestagung der ibg 2017 in Berlin hielt Dr. Ferdinand Schlingensiepen folgenden Vortrag:

Gibt es „Letztes und Vorletztes“ in Luthers Leben?

Bei Bonhoeffer nach etwas zu suchen, was er von Luther hat, ist normal und immer ergiebig. Bei Luther nach etwas zu suchen, das Bonhoeffer entdeckt hat, ist ein bisschen verrückt; aber ich habe mit dem Thema „Letztes und Vorletztes“ selbst vor vielen Jahren etwas „Verrücktes“ erlebt.

Ohne diese Begriffe zu kennen und ehe ich den Namen Bonhoeffer mit Bewusstsein gehört hatte, bin ich dem Letzten und dem Vorletzten persönlich begegnet, und das kam so: Wir saßen während der schwersten Hungerzeit – irgendwann im Jahr 1946 – am Familientisch. Meine Schwester hatte auf einem Speicher, auf dem man Mehl gelagert hatte, Reste zusammenfegen dürfen. Leider hatte dort vorher irgend ein Sand gelegen. Es gab eine Art Brei, in dem auch die üppigen Kartoffelschalen aus dem Mülleimer des Nachbarhauses, einem Offizierskasino der englischen Besatzung, Verwendung gefunden hatten. Mein älterer Bruder fragte: „Könnte ich bitte noch etwas von dem Sanderol bekommen? Oder nennt man das Gericht Knirschon?“ Alle lachten, aber es war nichts mehr da.

Wir waren Vater, Mutter und sechs Kinder, und es reichte nie. Und so sagte mein Vater eines Tages: „Wenn es Gottes Wille ist, dass wir verhungern, dann müssen wir eben auch das im Gehorsam hinnehmen. Darauf meine Mutter: „Das kannst Du ja machen; ich werde jedenfalls bis zum Letzten dafür kämpfen, dass wir überleben!“ Bis zum Letzten – meine Mutter also eine Kämpferin im Vorletzten und mein Vater als Anwalt des Letzten? Die Rollenver-teilung war beeindruckend.

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Den gesamten Vortrag finden Sie hier: Gibt es „Letztes und Vorletztes“ in Luthers Leben?

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