28. Bonhoeffertag

Aktuelle Meldung vom: 19.06.2026

Bonhoeffer-Haus Friedrichsbrunn

Einladung zum 28. Bonhoeffertag am 23. August 2026 in Friedrichsbrunn

Bald ist es wieder soweit.  Am Sonntag, den 23. August 2026 findet der 28. Bonhoeffertag in Friedrichsbrunn / Ostharz statt. 

In Friedrichsbrunn besaß die Familie Karl und Paula Bonhoeffer ein schlichtes Ferienhaus. Es diente der von Breslau nach Berlin gezogenen großen Familie mit acht Kindern als Ort für die Ferien und als Zufluchtsort im zweiten Weltkrieg, fern der Großstadt Berlin im nördlichsten Mittelgebirge Deutschlands. 

Heute beherbergt dieses Haus das ‚Cafe Bonhoeffer‘, Ferienwohnungen und eine öffentlich zugängliche Ausstellung ‚Die Familie Bonhoeffer und Friedrichsbrunn‘. In unmittelbarer Nähe befindet sich die ‚Bonhoefferkirche‘ mit der Erinnerung an die vier vom NS-Regime hingerichteten Mitglieder der Familie (Klaus und Dietrich Bonhoeffer, Hans von Dohnanyi und Rüdiger Schleicher). Der ‚Träger- und Förderverein Bonhoefferhaus Friedrichsbrunn‘ betreut die Ausstellung und veranstaltet zusammen mit der Kirchspiel Bad Suderode – Friedrichsbrunn den jährlichen Bonhoeffertag. 

 Als die Mitglieder des Vorstandes im Oktober überlegten, unter welches Thema sie den 28. Bonhoeffertag 2026 stellen sollten, haben sie sich von dem 120. Geburtstag der Zwillinge Dietrich und Sabine Bonhoeffer (geb. 4.2.1906) sowie von der Anfang September geplanten Landtagswahl in Sachsen-Anhalt inspirieren lassen. 

 

Als Überschrift über den 28. Bonhoeffertag wählten sie daher das weithin bekannte Zitat von Dietrich Bonhoeffer vom Mai 1944, geschrieben als Inhaftierter des NS-Regime: 

"…unser Christsein wird heute nur  in zweierlei bestehen: im Beten und im Tun des Gerechten unter den Menschen.“

Die Schreibweise signalisiert den Akzent des 28. Bonhoeffertages. Was bedeutet ‚Tun des Ge-Recht-en‘? Gibt es darüber in unserer Gesellschaft noch Konsens? Fällt das Verständnis von Recht und Gerechtigkeit heute auseinander? Haben die einen Mitglieder des bundesrepublikanischen Staates mehr Rechte als andere? Leben wir – noch? – in einem Rechtsstaat und wodurch wird dieser bedroht? Wie erging es Menschen im Un-rechtsstaat des Nationalsozialismus? 

Diese Fragen greifen der open air-Gottesdienst im Garten des Bonhoefferhauses vormittags ab 11.00 Uhr und die Vorträge ab 13.30 Uhr in der Bonhoefferkirche auf (s. das Programm im Anhang). 

Pfr. i.R. Ulrich Kasparick, pensionierter Pfarrer, ehemals Stadtjugendpfarrer in Jena, später Pfarrer in Hetzdorf /Uckermark, Leiter des Landesbüros der Friedrich-Ebert-Stiftung in Sachsen-Anhalt, Mitglied des Bundestages und später Parlamentarischer Staatssekretär, wird im open-air-Gottesdienst (bei trockenem Wetter im Garten des Bonhoefferhauses) die Predigt halten. 

Nach dem Mittagimbiß vom Grill im Garten des Cafe Bonhoeffer, von Gabriela Zehnpfund und ihrer Crew vorbereitet und serviert, steht der Nachmittag ab 13.30 Uhr in der Bonhoefferkirche unter dem Teilthema: 

„Gegen Rechtlosigkeit, für das Tun des Ge-RECHT-en.“

 

Im ersten Teil blickt die Historikerin Dr. Frauke Geyken aus Göttingen zurück in die Geschichte und das Geschick der Familie Gerhard und Sabine Bonhoeffer-Leibholz. Sie berichtet von dem, was die Zwillingsschwester Dietrich Bonhoeffers, die den hochbegabten Juristen und späteren Professor für Staatsrecht Dr. Dr. Gerhard Leibholz am 6. April 1926 in Berlin geheiratet hatte, mit ihrer Familie erleben musste, als Adolf Hitler die Führung des sog. Dritten Reiches übernommen und in Windeseile den Weimarer Rechtsstaat in einen diktatorischen völkischen Unrechtsstaat umgestaltet hatte. 

Ihr Ehemann Gerhard Leibholz war von seiner familiären Herkunft her Jude, war aber wie seine beiden Brüder als Kind getauft worden. Dr. Frauke Geyken hat 2024 eine Doppelbiografie über Gerhard und Sabine Leibholz veröffentlicht. Da sie in Göttingen wohnt und sich in der Göttinger Geschichte, vor allem in der NS- Zeit, sehr gut auskennt, beschreibt sie anschaulich die Göttinger Zeit der Familie vom Beginn der NS-Herrschaft bis zur Auswanderung 1938 nach England. 

Der Titel ihres Vortrages: 

"Die Familie Gerhard und Sabine Leibholz, geb. Bonhoeffer.

Geschichte einer Ausgrenzung durch den NS-Unrechtsstaat 1933-1938."

 

Im zweiten Teil des Nachmittages wird sich Prof. Dr. jur Michael Germann, Lehrstuhlinhaber für Öffentliches Recht, Staatskirchenrecht und Kirchenrecht an der Universität Halle-Wittenberg und zugleich seit 2015 Richter am Landesverfassungsgericht Sachsen-Anhalt, dem Thema widmen: 

“‘Für Recht und Frieden sorgen‘. Zur Verantwortung von Christen als Bürger im demokratischen Rechtsstaat.”

Das Zitat im Zitat seines Vortragstitels wird den mit der Kirchengeschichte des Dritten Reiches Vertrauten bekannt sein. In dem Gründungsdokument der Bekennenden Kirche, in der Barmer theologischen Erklärung, heißt es in der These V: „Die Schrift sagt uns, dass der Staat nach göttlicher Anordnung die Aufgabe hat, in der noch nicht erlösten Welt, in der auch die Kirche steht, nach dem Maß menschlicher Einsicht und menschlichen Vermögens unter Androhung von Gewalt und Ausübung von Gewalt für Recht und Frieden zu sorgen. Die Kirche erkennt in Dank und Ehrfurcht gegen Gott die Wohltat dieser seiner Anordnung an. Sie erinnert an Gottes Reich, an Gottes Gebot und Gerechtigkeit und damit an die Verantwortung der Regierenden und Regierten(!)…“ Vor 41 Jahren hat der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKiD) eine Denkschrift veröffentlicht mit dem Titel „Evangelische Kirche und freiheitliche Demokratie. Der Staat des Grundgesetzes als Angebot und Aufgabe.“ Daran zu erinnern und die gegenwärtige Aufgabe der Christen, den demokratischen Rechtsstaat zu verteidigen, wird Thema des Vortrages von Prof. Germann, Mitglied der Synode der EKiD, sein. 

 

Die Veranstalter des 28.Bonhoeffertages hoffen auf eine große Beteiligung. Sie bitten um Weitergabe dieser Einladung bzw. des Handzettels oder des Plakates, sei es mündlich, analog per Ausdruck oder digital. Sie freuen sich auf ein Wiedersehen und Kennenlernen beim 28. Bonhoeffertag in Friedrichs­brunn. Hinweise zum Ort und zur Anfahrt finden sich auf www.bonhoefferhausfriedrichsbrunn.wordpress.com

 

Anhang: Handzettel und Plakat 

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