Erinnerung in Flossenbürg

Aktuelle Meldung vom: 03.12.2014

Pfarrer Herbert Sörgel gibt einen Einblick in das Bonhoeffer-Gedenken 2014 und einen Ausblick auf 2015 und 2016

Nachdem ich diesmal bei der Jahrestagung in Eisenach nicht dabei war, schien es eine gute Idee, an dieser Stelle zu berichten, was nächstes und übernächstes Jahr in Sachen Bonhoeffer-Gedenken in Flossenbürg geplant ist.

Fangen wir aber noch in 2014 an. Erst vor wenigen Wochen wurde an der evangelischen Kirche in Flossenbürg ein Bonhoeffer-Denkmal aufgestellt. Es ist das Werk von Professor Paul Schneider, Bildhauer aus Merzig im Saarland, der seit 30 Jahren vom Flossenbürger Granit fasziniert ist und mit dem ortsansässigen Granitwerk Helgert zusammenarbeitet. Mit der Person Bonhoeffers beschäftigt sich Paul Schneider schon sehr lange und hat dem, was er in Bonhoeffer verkörpert sieht in Stein nun Ausdruck verliehen. Eingemeißelt sind Zeilen aus Bonhoeffers Gedicht in Der Tod des Mose, entstanden in Tegel 1944.

Wunderbar hast Du an mir gehandelt,
Bitterkeit in Süße mir verwandelt,

Läßt mich durch den Todesschleier sehn
dies, mein Volk, zu höchster Feier gehen.

Sinkend, Gott, in Deine Ewigkeiten
Seh´mein Volk ich in die Freiheit schreiten.

Der Kontext: die biblische Geschichte, die Zeilen des Gedichts, die Nähe zur Kirche (der Stein weist zudem zum Eingang und zur in der Kirche befindlichen Bonhoeffertafel in der Apsis) geben den Rahmen vor, innerhalb dessen der Betrachter sich frei bewegen kann, wenn er den Stein, je nach Perspektive ein Zelt, ein Berg, vielleicht noch etwas anderes auf sich wirken lässt. Frau Helgert hat den Stein spendiert und Paul Schneider hat sein Werk der Gemeinde Flossenbürg geschenkt und konnte sich keinen besseren Standort denken als den Platz vor unserer Kirche. Wir freuen uns sehr darüber und sagen ganz herzlichen Dank. Offiziell übergeben werden soll das Kunstwerk anlässlich des 70. Todestages Dietrich Bonhoeffers 2015. Da allerdings die Winter in Flossenbürg unberechenbar sind und
Fünf Tonnen aufzustellen auch kein Kinderspiel darstellen, steht der Stein sicherheitshalber jetzt schon, damit wir dann im Frühjahr keine Überraschung erleben.

Stichwort 70. Todestag 2015: Es gibt nun einmal Dinge für die es sich lohnt, kompromisslos einzustehen..... (Bonhoeffer sagte das 1935 in Bezug auf Frieden und soziale Gerechtigkeit), ist das Motto eines bayernweiten Jugendtreffens, Träger ist das Amt für Jugendarbeit in Nürnberg, das vom 08. – 11.04. in Flossenbürg stattfindet. Wir erwarten dazu ca. 500 Jugendliche und eine Gruppe aus Israel, gemischt aus Juden und Arabern aus der Ecke von Nazareth. Das Programm ist ziemlich umfangreich, so daß es hier nicht wiedergegeben kann. Es ist aber auf Nachfrage jederzeit bei mir erhältlich. Am 12.04., dem darauffolgenden Sonntag findet ein Fernsehgottesdienst mit dem Landesbischof und neuen Ratsvorsitzenden der EKD Heinrich Bedford-Strohm in Flossenbürg statt.

Im Mai ist an eine Wiederholung des Bonhoefferoratoriums von Matthias Nagel gedacht, das 2013 im Rahmen eines Bonhoefferwochendes in Flossenbürg ein großer Erfolg war. Wir werden allerdings diesmal nach Neustadt oder Weiden in eine Kirche gehen, da sich die evangelische Kirche in Flossenbürg als zu klein erwiesen hat und auch die Gedenkstätte keine adäquaten Raummöglichkeiten bieten kann.

Auch 2016 wirft schon seine Schatten voraus und da warten ein paar echte Highlights wenn alles so klappt, wie ich mir das denke. Bernd Setzwein, Hörern des Bayerischen Rundfunk bekannt, vielleicht auch durch sein Theaterstück Monolog eines Henkers, schreibt an einem Kammerspiel, das maßgeblich einen Dialog zwischen Dietrich Bonhoeffer und Kurt Gerstein zum Inhalt hat. Keine leichte Kost, aber höchst spannend. Wir brauchen dazu zwei wirklich gute Schauspieler. Zusammen mit einer Lesung aus den Brautbriefen würde dies alles in einem großen Oratorium von Hans Schanderl gipfeln, der Titel Passion – Stufen der Hingabe, uraufgeführt 2006 in Dresden mit vertonten Texten von Dietrich Bonhoeffer. Die Künstler sind die Gruppe SINGER PUR und die Hofer Symphoniker. Es soll im 20 km von Flossenbürg entfernten Weiden in der Michaelskirche aufgeführt werden, voraussichtlich in der zweiten Osterwoche. An eine Wiederholung in Hof ist gedacht.
Ich hoffe, dass wir entsprechende Sponsoren finden für diese Bonhoeffer-Tage 2016, die natürlich noch ein Rahmenprogramm erhalten sollen. Mögen uns viele Teilnehmer und Besucher beschert werden um dem Anliegen Bonhoeffers, eben zum Beispiel für Frieden und soziale Gerechtigkeit kompromisslos einzustehen, Türen zu öffnen.

Herbert Sörgel

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