Justus Delbrück (25.11.1902 -23.10.1945)

Aktuelle Meldung vom: 19.10.2020

Justus Delbrück (25.11.1902 -23.10.1945)

Jurist, Mensch und Christ im Widerstand gegen das NS- Regime (zum 75. Todesjahr)

 

Ein Gedenkjahr geht zu Ende. Das Jahr 2020 wird voraussichtlich in die deutsche, europäische, ja Weltgeschichte als das Jahr der Coronapandemie eingehen. Ein unscheinbares, unberechenbares Virus legt die Weltbevölkerung lahm und lenkt alle Aufmerksamkeit auf sich. Was in der Öffentlichkeit geschehen soll, wurde eingeschränkt, auch das öffentliche Gedenken.

 

Denn das Gedenken war und ist die andere Seite des Jahres 2020. 30 Jahr liegt zurück, dass die DDR dem Staatsgebiet der BRD beigetreten ist. Am 3.10.1990 wurde die ‚Wiedervereinigung‘ vollzogen. 75 Jahre liegt zurück, dass die alliierten Mächte Deutschland besiegt und vom NS-Regime befreit haben. Am 8. Mai 1945 kapitulierte die deutsche Wehrmacht. Zuvor wurden die noch lebenden Juden und anderen politisch Verfolgten und Inhaftierten aus den KZ’s befreit. Dafür steht die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz / Birkenau am 27.Janur 1945. Noch vor Kriegsende wurden viele im Widerstand Aktive aus Militär und Zivilgesellschaft im Zuge der ‚Sonderermittlung 20. Juli‘ ermordet.  

 

Zu den ermordeten Widerständler gehören vier Mitglieder der Familie Karl und Paula Bonhoeffer: Klaus und Dietrich Bonhoeffer, Hans von Dohnanyi und Rüdiger Schleicher. Die Mitglieder der Familie Bonhoeffer widerstanden nicht alleine. Sie waren eingebettet in den Widerstand von Mitgliedern der weiteren Familie. Der Vetter Paula Bonhoeffers Paul von Hase war als Stadtkommandant von Berlin am Umsturzversuch des 20. Juli aktiv beteiligt. Er wurde am 8.8.1944 in Berlin-Plötzensee durch Erhängen von der Nazijustiz ermordet. Der Schwager von Klaus Bonhoeffer, der Bruder seiner Frau Emmi, Justus Delbrück war als Sonderführer der Zentralabteilung des Amtes Ausland / Abwehr als Mitarbeiter seines Freundes Hans von Dohnanyi unter Oberst Hans Oster an einer Schaltstelle des militärischen Widerstandes aktiv. Er wurde im Zuge der Ergebnisse der ‚Sonderkommission 20. Juli‘ am 17.August 1944 im Zellengefängnis Lehrter Straße 3 inhaftiert. Ein Todesurteil durch das Volksgericht wurde nicht gefällt.

 

Justus Delbrück wurde am 25.April, zwei Tage nach der Ermordung seines Schwagers Klaus Bonhoeffer und dessen Schwagers Rüdiger Schleicher zusammen mit Eberhard Bethge und anderen in die Freiheit des bombardierten Berlins entlassen. Diese Freiheit währte nicht lange. Sowjetische Militärs verhafteten ihn im Auftrag des NKWD (Volkskommissariat für innere Angelegenheiten) am 20.5.1945. Er starb am 23.10.1945 im Speziallager Jamlitz-Lieberose an Diptherie / Dystropie. Sein Tod gehört mit zum Gedenken an die vom NS-Regime ermordeten Widerständler im Jahr 2020. 

 

Pfr. i.R. Dr. Günter Ebbrecht hat unter dem Titel „‘In den Tiefen, die kein Trost erreicht, lass doch Deine Treue mich erreichen.‘ Justus Delbrück (25.11.1902 – 23.10.1945) - Jurist, Mensch und Christ im Widerstand gegen das NS-Unrechtsregime“ ein ‚Lebensbild‘ von Justus Delbrück geschrieben. (pdf Datei).

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