Eivind Berggrav

Bischof Eivind Berggrav

Quelle:

Bildbiografie Dietrich Bonhoeffer. Bilder aus seinem Leben, herausgegeben von Eberhard Bethge, Renate Bethge und Christian Gremmels, © Gütersloher Verlagshaus GmbH, Gütersloh 2005

In dem von Bischof Eivind Berggrav angestifteten Kirchenstreik in Norwegen 1942 sah Dietrich Bonhoeffer durchgeführt, was er in Deutschland 1933 als mögliches Kampfmittel gegen Maßnahmen des NS-Regimes vorgeschlagen hatte, was aber als illusorisch abgetan worden war. Der norwegische Streik zeigte Wirkung – er machte Berlin nervös. Das Amt Ausland/Abwehr schickte seinen Rechtsexperten Helmuth James von Moltke und den für Kirchenfragen zuständigen Bonhoeffer als Kuriere nach Oslo. In den drei Tagen dort (13.-15.4.1942) hatten sie offiziell zu prüfen, ob die Sicherheit der deutschen Besatzungstruppen gefährdet wäre, und insgeheim drängten sie zu beharrlichem Beibehalten dieses Widerstands – ein riskantes Doppelspiel. Es kam kein Treffen mit Berggrav zustande. Er erklärte (Brief an Jørgen Glenthøj 17.4.1953): "Damals war ich noch so 'neu', dass ich meine Verschwindungskünste (forsvindingskunster) noch nicht ausexperimentiert hatte". Später konnte er bei Bedarf aus der Internierung entweichen, indem die ihn bewachenden Polizisten ihm zum Beispiel eine Uniform und eine Marke liehen, er sich ein Schnurrbärtchen anklebte und als Polizist mit der Vorortbahn nach Oslo fuhr. Das war Mitte April 1942 leider noch nicht eingeübt.

Quelle:

Bethge, Eberhard: Dietrich Bonhoeffer. Theologe – Christ – Zeitgenosse. Eine Biographie. Gütersloh 20059, 344, 846f. Die Mündige Welt V, 1969, 262f. Sabine Dramm, V-Mann Gottes und der Abwehr, Gütersloh 2005, 145-152.

BERGGRAV, EIVIND JOSEF (1884-1959): wurde am 25.10.1884 in Stavanger geboren; 1909 Lehrer an der Volkshochschule Eidsvoll (und bis 1959 Mitarbeiter der Zeitschrift "Kirke og Kultur"), 1914 an der Lehrerschule Holmstrand, 1919 in Hurdal Landpfarrer, 1925 Gefängnispfarrer in Oslo (und Teilnehmer an der Weltkirchenkonferenz für Praktisches Christentum in Stockholm), Bischof in Halogaland (Nordnorwegen, Tromsö), 1937–1951 in Oslo; 1939 Vorsitzender des Exekutivkomitees des Weltbunds für Freundschaftsarbeit der Kirchen. Unter der deutschen Besatzung ab 1940 Initiator und Seelsorger des Widerstands der norwegischen lutherischen Kirche gegen das sich der NS-deutschen Sache anschließende Regime des (am 1.2.1942) zum Ministerpräsidenten gemachten Vidkun Quisling: Am 20.2. 1942 legten alle sieben Bischöfe und am ersten Ostertag 1942 (5.4.) alle Pfarrer ihre staatskirchlichen Ämter nieder; Berggrav erhielt Hausarrest ab Gründonnerstag (2.4.) und kam am 8.4. ins Gefängnis. Reichsführer SS Heinrich Himmler, der Berggrav persönlich kannte, fragte telegraphisch: Warum? Ein Telegramm des Leiters der Parteikanzlei Martin Bormann vom 15.4. wies an: Sofort entlassen! Das geschah zwar, aber ab dem 16.4. wurde Berggrav in seiner Waldhütte bei Asker nicht weit von Oslo drei Jahre lang interniert (bis die norwegische Regierung, die am 5.5.1940 ins Exil nach London gegangen war, am 31.5.1945 nach Oslo zurückkehrte). 1946 Präsident der Vereinigten Bibelgesellschaften; 1950-1954 einer der Präsidenten des Ökumenischen Rates der Kirchen; proklamierte in Hannover 1952 bei der ersten Tagung des Lutherischen Weltbunds die Möglichkeit des Widerstandsrechts als Notrecht. Berggrav starb am 14.1.1959 in Oslo.

Vita aus:

Bethge, Eberhard: Dietrich Bonhoeffer. Theologe – Christ – Zeitgenosse, Gütersloh 20059, 845f. Weltkirchenlexikon, Stuttgart 1960. Jørgen Glenthøj Recherchen 1990. DBW 16, 256. Sabine Dramm, V-Mann Gottes und der Abwehr, Gütersloh 2005, 142, 151f.

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