Friedrich Justus Perels

Friedrich Justus Perels

Quelle:

Bildbiografie Dietrich Bonhoeffer. Bilder aus seinem Leben, herausgegeben von Eberhard Bethge, Renate Bethge und Christian Gremmels, © Gütersloher Verlagshaus GmbH, Gütersloh 2005

Friedrich Justus Perels war als hauptamtlicher Jurist der Bekennenden Kirche beteiligt am Rechtskampf gegen Willkürmaßnahmen des nationalsozialistischen Regimes. Im Auftrag des Bruderrats in Berlin-Dahlem kam er im Winter 1936/37 zur Klärung finanzieller Komplikationen ins Finkenwalder Predigerseminar. Zwischen Bonhoeffer und ihm entwickelte sich Freundschaft und vertrauensvolle Zusammenarbeit bis hinein in die Konspiration. Ende Oktober 1940 waren aus Baden und der Pfalz jüdischstämmige Menschen in das südfranzösische Lager Gurs verschleppt worden, darunter der Heidelberger Professor Leopold Perels, Friedrich Justus Perels’ Onkel, dessen Gesundheitszustand besorgniserregend war. Im Widerstandskreis im Amt Ausland/Abwehr sorgte Hans von Dohnanyi dafür, dass Schmidhuber den amtlichen Auftrag der Abwehrstelle München bekam, Devisen, Lebensmittel und Medikamente in das Lager Gurs zu bringen. Die Hilfsgüter-Lieferung gelang. Im Oktober 1941 (am 18. und 20.10.) verfassten Bonhoeffer und Perels Berichte über die am 16.10. einsetzenden Massendeportationen jüdischer Mitbürger aus Berlin; Dohnanyi sollte sie an Ludwig Beck, die führende Persönlichkeit der deutschen Militäropposition, weitergeben. Ebenfalls im Oktober half Perels mit an dem Unternehmen, gefährdeten Juden die Ausreise in die Schweiz zu ermöglichen. Im Dezember 1941 verfasste Perels eine von Dietrich Bonhoeffer unterschriebene Eingabe an die Wehrmacht, sich für die Einstellung der kirchenfeindlichen Maßnahmen des Regimes einzusetzen. Anfang Juni 1942 notierten Bonhoeffer und Perels auf Bitten von Ludwig Beck Überlegungen zur kirchlichen Neuordnung nach Beendigung des Kirchenkampfes, was heißen sollte: nach vollzogenem Umsturz des Hitlerregimes.

Quelle:

Bethge, Eberhard: Dietrich Bonhoeffer. Theologe – Christ – Zeitgenosse. Eine Biographie. Gütersloh 92005, 639, 840, 869f. Marikje Smid, Hans von Dohnanyi – Christine Bonhoeffer. Eine Ehe im Widerstand gegen Hitler, Gütersloh 2002, 258f. DBW 16

PERELS, FRIEDRICH JUSTUS (1910-1945): wurde am 13.11.1910 in Berlin geboren. Im Gymnasium in Berlin-Friedenau war er in einem Schülerbibelkreis; 1929 Abitur, Beginn des Jurastudiums in Heidelberg, ab Sommersemester 1930 in Berlin. Aktive Mitarbeit in der Deutschen Christlichen Studentenvereinigung. 1933 Examen, Referendarzeit in Berlin und Potsdam. Im Dritten Reich wegen eines jüdischen Großelternteils von der Ariergesetzgebung betroffen. 1.11.1936-1940 Justitiar der Bekennenden Kirche der Altpreußischen Union und des Pfarrernotbundes. 1940 Heirat mit Helga Kellermann; sie bekamen einen Sohn. 1940-1944 Mitarbeit in der Kanzlei des Rechtsanwalts Horst Holstein in Berlin. Am 5.10.1944 von der Gestapo abgeholt und eingeliefert in das Gefängnis Lehrter Straße 3, wie andere Festgenommene im Zusammenhang des gescheiterten Attentatversuchs auf Hitler am 20. Juli 1944. In der Haft gefoltert. Am 2.2.1945 Todesurteil im Volksgerichtshof. In der Nacht vom 22. auf den 23.4.1945 als einer von 16 Häftlingen, drunter Klaus Bonhoeffer und Rüdiger Schleicher, von SS-Männern aus dem Gefängnis geführt und auf einem Ruinengelände hinterrücks niedergeschossen. Nach Ende der Kampfhandlungen in Berlin am 5. oder 6. Mai mit anderen getöteten Widerständlern in einem Bombentrichter hinter der Mauer auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof bestattet.

Vita aus:

Bethge, E.: Dietrich Bonhoeffer. Theologe – Christ – Zeitgenosse. Eine Biographie. Gütersloh. Bethge, E.: In Zitz gab es keine Juden, Chr. Kaiser, München 1989. D. Bonhoeffer. Der Weg in den Widerstand, von C. Gremmels u. H. W. Grosse, Gütersloh 1996.

Leben und Werk

Bonhoeffer heute

Forschung

ibg