Wilhelm Rott

Wilhelm Rott

Quelle:

Bildbiografie Dietrich Bonhoeffer. Bilder aus seinem Leben, herausgegeben von Eberhard Bethge, Renate Bethge und Christian Gremmels, © Gütersloher Verlagshaus GmbH, Gütersloh 2005

Wilhelm Rott und Bonhoeffer begegneten sich zuerst in Bonn bei Lehrveranstaltungen Karl Barths; Bonhoeffer war am Ende des Sommersemesters 1931 drei Wochen dort, um Barth persönlich kennen zu lernen. Als 1935 das Predigerseminar der Bekennenden Kirche unter Bonhoeffer eröffnet wurde (es war zunächst für das Rheinland geplant), stellte die bruderrätliche Leitung ihm den rheinischen Reformierten Rott als Studieninspektor an die Seite. In Finkenwalde machte Rott Calvins Denken und den Heidelberger Katechismus wichtig und begeisterte Bonhoeffer für die Bibelauslegung der reformierten Prediger Friedrich Kohlbrügge und Paul Geyser. Rott besuchte am 21.8.1935 Barth, dem seit Juni 1935 das Lehren in Deutschland untersagt worden war, in der Schweiz und berichtete von Finkenwalde so, dass Barth besorgt wurde (Flucht aus der Realität). Die Sorge verstärkte sich, nachdem Rott im Sommer 1936 Barth die (um Ostern 1936 von Bethge niedergeschriebene) Anweisung zur Schriftmeditation zugänglich gemacht hatte; Bonhoeffer bestand in Finkenwalde auf täglicher halbstündiger Meditation eines Bibelabschnitts, was Rott und andere befremdete. Barths Besorgnis wich später großer Zustimmung zu Bonhoeffers Umgang mit dem Thema Nachfolge. Bonhoeffer hielt freundschaftlichen Kontakt zu Rott auch nach dessen Wechsel am 1.3.1937 in die Vorläufige Leitung in Berlin. Er besuchte ihn im Herbst 1937 im Gefängnis in Moabit; in dieser Zeit maßregelte das Regime Angehörige der Bekennenden Kirche besonders scharf. Nach Rotts Entlassung aus der Haft im Spätherbst 1937 schenkte Bonhoeffer ihm einen Opernbesuch in Berlin. Rott führte zeitweise als einziger Nicht-Inhaftierter die Geschäfte der Vorläufigen Leitung. Im Oktober 1941 bat er in einem Schreiben an den Schweizer Kirchenbund um Hilfe besonders für die nichtarische Charlotte Friedenthal, die seit dem 2.3.1936 Mitarbeiterin der Vorläufigen Leitung war; ihre Ausreise gelang dank Dohnanyis und Bonhoeffers Unternehmem Sieben Anfang September 1942. Im März 1943 konnte Bonhoeffer noch arrangieren, dass Rott durch das Amt Ausland/Abwehr unabkömmlich gestellt wurde; allerdings musste er schon im Sommer 1943 ins Feld.

Quelle:

Rott, Wilhelm, »Ihm fiel immer etwas ein«, in: Zimmermann, W.-D., Begegnungen mit Dietrich Bonhoeffer, München: Chr. Kaiser, 1969./ Bethge, E.: Dietrich Bonhoeffer. Gütesloh 92005, 216, 485-487, 519, 529f, 841. DBW 14, 250-253, 1025, DBW 16, 217-220.

ROTT, WILHELM (1908-1967): wurde am 25.1.1908 in Düsseldorf geboren. Er studierte bei dem seit 1930 in Bonn lehrenden Karl Barth und war seit 1934 aktives Mitglied der Bekennenden Kirche. 1935 bis 1937 Studieninspektor im Predigerseminar Finkenwalde. Ab 1.3.1937 bei der Vorläufigen Leitung der Deutschen Evangelischen Kirche in Berlin, Abteilung Reformierte Kirche und Schule; März 1943 zum Amt Ausland/Abwehr im Oberkommando der Wehrmacht, ab Sommer 1943 Kriegsdienst in einer Abwehr-Einheit. Im Februar 1944 gliederte das Reichssicherheitshauptamt sich die gesamte Abwehrorganisation ein. Daraufhin kam Rott am Kriegsende 1945  für Monate in automatischen Arrest (zur Entnazifizierung) im US-amerikanischen Zivilinternierungslager Moosburg in Oberbayern. Rott war 1946 Pfarrer, 1959 Superintendent in Koblenz, wo er am 27.1.1967 starb.

Vita aus:

Rott, Wilhelm, in Rheinland-Pfälzische Personendatenbank, URL:www.rlb.de/cgi-bin/wwwalleg/srchrnam.pl [08.06.2014]. Die Finkenwalder Rundbriefe, Gütersloh 2013, Seite 669 im Personenverzeichnis. Bethge, E.: Dietrich Bonhoeffer. Gütersloh 2005, 908.

Charlotte  Friedenthal

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