Ohne Gott mit Gott

Aktuelle Meldung vom: 30.10.2014

Glaubenshermeneutik mit Dietrich Bonhoeffer

Wie kann der christliche Glaube unter den Bedingungen moderner Lebenswelten vergegenwärtigt werden? Muss der Mensch faktisch nicht ohne Gott leben? Jedenfalls ohne einen Gott, der handelnd in die Welt eingreift? Wie soll und muss dann heute von Gott gesprochen werden?

Die Studie greift diese Problematik auf und entwickelt mit der Theologie Dietrich Bonhoeffers einen fundamentaltheologischen Beitrag zu hermeneutischen Erschließung des Glaubens in modernen Lebenswelten. Konkret wird nach Denkformen in der Theologie Bonhoeffers gesucht, die dieser „Abwesenheit Gottes“ Rechnung trägt. Dabei konzentriert sich die Untersuchung auf die späten Schriften Bonhoeffers und markiert entscheidende Neuakzentuierungen.

Um eine Antwort auf erkenntnisleitenden Interessen zu finden, erfolgt zunächst eine Untersuchung der Anthropologie Bonhoeffers; der zweite Teil ist der Gotteslehre Bonhoeffers gewidmet.Im ersten Untersuchungsschritt wird gezeigt, wie der im Frühwerk aufgrund der hier noch zu beobachtenden Konzentration auf die Sünde des Menschen deutlich abgelehnte Begriff der Autonomie im Spätwerk zum anthropologisch-hermeneutischen, aber eben auch zu einem theologisch gerechtfertigten Schlüsselbegriff wird. Die Studie zeigt, dass sich Bonhoeffer rigoros auf den neuzeitlichen Begriff der Autonomiefreiheit einlässt, ohne damit jedoch den Primat der Gnade Gottes zu verletzen.
Die Gotteslehre Bonhoeffers wird von der durch Bonhoeffer an das Chalcedon angeschlossenen christologischen Zentrierung und der daraus resultierenden relationalen Interpretation ausgehend entwickelt. Sehr deutlich wird gezeigt, dass Bonhoeffer die Offenbarung als Selbsterschließung der Person Gottes denkt. Darüber hinaus wird profiliert, dass Bonhoeffer im Spätwerk – deutlich als im Frühwerk – das Motiv der Treue Gottes soteriologisch stark macht und das Ergebnis der geschichtlichen Offenbarung Gottes auch Rückwirkunen auf den zu denkenden Gott selbst hat (Veränderlichkeit Gottes durch seine Selbstoffenbarung, Betreffbarkeit durch die Zeit).

Insgesamt kann so deutlich gemacht werden: Bonhoeffer sieht in der modernen menschlichen Freiheitssehnsucht und den biblischen Glaubenstraditionen keinen Gegensatz. Der Primat der Gnade Gottes wird dadurch in keinster Weise angerührt. Dass daraus eine Weltverpflichtung entsteht, versteht sich von selbst: politisch-kulturell.

 

 

Betreuer: 

Prof. Dr. Magnus Striet (Erstgutacher), Universität Freiburg

Prof. Dr. Peter Walter (Zweitgutachter), Universität Freiburg


Kontakt:    Tobias.Schulte81@gmx.de

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