Rückblick: 20. Bonhoeffertag in Friedrichsbrunn

Aktuelle Meldung vom: 17.09.2017

Bonhoeffer-Geschwister (1909)

Eltern (um 1898)

Paula Bonhoeffer und Kinder (1910)

Bericht über den 20. Bonhoeffertag Friedrichsbrunn mit dem Thema 'Auf das Leben vorbereitet'

von Dr. Günter Ebbrecht, Einbeck

Auf den Handzetteln und Plakaten, die zum 20. Bonhoeffertag in Friedrichsbrunn am 20. August einluden, findet sich neben einem eher unbekannten Foto der Großfamilie Karl und Paula Bonhoeffer der Slogan: 'Auf das Leben vorbereitet'. Die Kombination von Foto und Slogan lässt erahnen, wer oder was uns auf das Leben vorbereitet: die Familie. Über einen Tag lang stand die Familie in unterschiedlichen Perspektiven im Zentrum eines wechselhaften Spätsommertages im Ostharz, wo die Bonhoefferfamilie seit 1913 ihr 'Häuschen' besaß, das für die gesamte Familie 'Heimat' und 'Freiheit' (Susanne Dress) bedeutete.

Das Foto aus dem Jahr 1925 zeigt eine kecke, eine heiter-lockere Generationenpyramide, deren Sockel die jungen Eltern Rüdiger und Ursula Schleicher bilden, über dem sich in einer tragenden Reihe die Großmutter Julie Bonhoeffer, geb. Tafel neben ihrem Sohn Karl und dessen Frau Paula präsentieren. Auf Paula Bonhoeffers Schoß sitzt der etwa einjährige Enkelsohn Walter. Darüber, gewissermaßen als Gipfel, schauen und lächeln die sieben Kinder und zum Teil deren Ehepartner in die Kamera. Alles in allem eine intakte, eine harmonische Familie. Von ihr können die Kinder und deren Kinder mit Recht sagen: 'Auf das Leben gut vorbereitet.'

Der festliche Gottesdienst im Garten des ehemaligen Ferienhauses der Bonhoefferfamilie, mit dem der 20. Bonhoeffertag begann, war zum einen geprägt von dem liturgischen Kasus des Sonntages, üblicherweise 'Israelsonntag' genannt, und von einer weltbekannten Familiengeschichte: Jesu Gleichnis vom barmherzigen Vater und seinen zwei Söhnen aus Lukas 15.

Die Verwurzelung der christlichen Kirche im Volk Israel, gewissermaßen Israel als Herkunftsfamilie der Christenheit, wurde hörbar mit der Epistellesung aus Deuteronomium 6,4-9: 'Höre, Israel, Adonaj ist unser Gott, Adonaj ist einer. Adonaj, deinen Gott, sollst du lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.' Das sog. Schema Israel soll zum Leit- und Geleitwort der Kinder werden. Es soll in ihr Herz eingeschrieben - by heart gelernt - werden. Es ist ein Wort, das auf das Leben vorbereitet. Der Referent des Nachmittags, Dr. Cornelius Bormann griff zu Beginn seines Vortrages über "Die Familie Bonhoeffer im Grunewald - eine Familie aus dem protestantischen Bildungsbürgertum" diesen Hinweis auf das Judentum als Herkunftsfamilie der Christenheit auf. Bormann zitierte aus Bonhoeffers Ethikfragment 'Erbe und Verfall': "Die abendländische Geschichte ist nach Gottes Willen mit dem Volk Israel unlöslich verbunden, nicht nur genetisch, sondern in echter unaufhörlicher Begegnung...Eine Verstoßung der Juden aus dem Abendland muß die Verstoßung Christi nach sich ziehen; denn Jesus Christus war Jude."

Die Predigt von Regionalbischof Propst Christoph Hackbeil, der als Superintendent des Kirchenkreises Halberstadt aktiv dazu beigetragen hat, dass das Ferienhaus der Bonhoefferfamilie ein Erinnerungs- und Begegnungsort wird und bleibt, legte anschaulich und aktuell Jesu Gleichnis vom barmherzigen Vater aus. Der lukanische Jesus erzählt eine 'Familiengeschichte'. Er folgt den Prototypen seiner hebräischen Bibel. Mit einer Frage setzte der Prediger ein: „Die intakte Familie – ist es das, was heute Thema sein soll?“
Dann erinnerte er an die intakte Großfamilie der Bonhoeffers, deren Urlaubsaktivitäten in den Ausstellungsräumen des Bonhoefferhauses in Friedrichsbrunn lebendig werden. Er versetzte sodann seine Zuhörer*innen - es waren rund 130 Menschen zum Gottesdienst im Garten des Bonhoefferhauses gekommen - in die galiläische Tiefebene, wo zwei Söhne eines jüdischen Großbauern geschwisterlich miteinander aufwachsen, bis ein Riss durch die Familie geht und bis der Wegzug des jüngeren Sohnes mit seinem ausgezahlten Erbe die Familie spaltet. Diese Spaltung der Familie verstärkt sich noch durch die Rückkehr des verlorenen, tot geglaubten jüngeren Bruders, der mit offenen Armen von seinem Vater wieder in die Familie aufgenommen aber von seinem älteren daheim gebliebenen Bruder abgelehnt wird. Als der Vater davon hört, geht er zugleich hinaus zu seinem älteren Sohn, der in Familientreue zu Hause geblieben ist. Er wirbt bei dem älteren Bruder für die Versöhnung mit dem jüngeren. Gehören sie nicht beide zu einer Familie?

Wie der barmherzige Vater, so handelt Gott. Jesus erzählt von Gott als liebenden, barmherzigen Vater. "Doch all das tut er nicht, weil in seiner Familie alles in Ordnung ist. Gott geht es wie vielen Menschen: seine Familie ist nicht intakt. Viele seine Kinder leben nicht versöhnt miteinander."

Jesu Vatergott - so der Prediger - sieht mit Schmerzen den Riss, der sich zwischen Juden und Christen, zwischen Israel und der Christenheit aufgetan hat. Er leidet unter dem Hass, der in der Geschichte von Christen gegen den älteren Bruder Israel bis hin zum mörderischen antisemitischen NS-Regime entflammt ist. "Das Evangelium des heutigen Sonntages bekennt den liebenden Vater über beiden, Juden wie Christen, obwohl es von der beginnenden Entfremdung weiß. So sollen wir auf den gütigen Gott Israels sehen, der der Vater Jesu Christi ist...In den Juden sollen wir unsere Geschwister vor Gott sehen. Dazu müssen wir mehr über das Judentum wissen und zum Dialog bereit sein...Als die teuflische Ermordung der europäischen Juden durch die Nazis begann, war Dietrich Bonhoeffer einer der wenigen, der widersprach."

Der Blick auf die zerrissene Familie im Gleichnis zeigt uns: Jesus malt uns keine 'intakte' Familie vor Augen. Er richtet kein Familienidyll und -ideal auf. Die Brüder müssen neu miteinander leben lernen. Glücklich, wo Kinder in ihren Familien Geborgenheit erfahren. Doch eine Garantie dafür gibt es nicht, so der Prediger. Ehen können zerbrechen. Viele Familien werden gegenwärtig durch Flucht zerrissen. Eine Vielzahl von Familienformen existiert nebeneinander. Wir sollen sie nicht moralisch abwerten und gegeneinander ausspielen. Kirchengemeinden sollen Menschen mit gebrochenen Familienbeziehungen ein Zuhause werden. Sie sollen Familien in ihren unterschiedlichsten Ausprägungen unterstützen. "Familie muss gestärkt werden als der Ort, wo Menschen am stärksten Beistand und Solidarität erleben und erlernen."

Zuletzt kehrte der Prediger zur Familie Bonhoeffer zurück, deren schöne bildungsbürgerliche Welt des Berliner Grunewald oder des Harzer Friedrichsbrunn zerbrach, als das menschenverachtende NS-Regime vier der Söhne bzw. Schwiegersöhne der Familie ermordete. Die innere Klarheit über das notwendige Tun und die Solidarität untereinander trug diese Familie. Ebenso die Geborgenheit der Kindheit. Propst Hackbeil schloss mit dem Zitat Karl Bonhoeffers aus einem Brief an seinen ehemaligen Assistenten, der jüdischer Herkunft vor den Nazis in die USA fliehen konnte. Eine doppelte Familiengeschichte - die biblische und die bonhoeffersche - kann heute noch dazu beitragen, auf das Leben vorzubereiten.

Die Zeit zwischen dem Gottesdienst und dem Vortrag von Dr. Cornelius Bormann am Nachmittag war gefüllt mit Aktivitäten, die auch familiäres Leben prägen. Da ist zunächst die Einladung, an einem Tisch Platz zu nehmen. Dazu hatte die Familie Zehnpfund, Besitzer des Bonhoefferhauses und Cafebetreiber, zusammen mit einem Stab von Mitarbeiter*innen ein kräftigendes Mittagsmahl vorbereitet. Bereichert wurde das gemeindliche Familienleben durch die spielerische Präsentation einiger Kindergartenkinder mit ihren Eltern und den Erzieherinnen, die in die Welt der Indianer führte. Natürlich gehört das Familiengespräch am gemeinsamen Tisch dazu. Ruth Ziemer und Christine Bick, zwei Mitglieder des Träger- und Fördervereins Bonhoefferhaus Friedrichsbrunn, luden ein, eigene Familienerfahrungen miteinander auszutauschen. Sie regten die Fantasie der Erinnerung an: 'Versetzen Sie sich in Ihre Kindheit zurück ... und denken Sie an die Situation zu Hause bei Tisch. Lassen Sie vor ihrem inneren Auge die Bilder kommen, die Sie beim Essen zeigen.' Weitere Fragen gaben Impulse zu persönlichen Antworten, die an einigen Tischen zu einem regen persönlichen Austausch führten.

Danach gingen die Besucher*innen des Bonhoeffertages zur nahe gelegenen Bonhoefferkirche. Rund 60 Besucher*innen lauschten dort gespannt den frei vorgetragenen Ausführungen von Dr. Cornelius Bormann über 'Die Familie Bonhoeffer im Grunewald - eine Familie aus dem protestantischen Bildungsbürgertum'. Nachdem er mit dem Zitat aus dem Ethikfragment 'Erbe und Verfall' die Brücke zum Gottesdienst am Vormittag geschlagen hatte, zeigte er die Ausgabe eine Lutherbibel aus dem Jahr 1911. Eine solche Bibel hatten die Eltern ihrem zweiten Sohn Walter zur Konfirmation geschenkt. Nach dem Tod Walters kurz vor dem Ende des 1. Weltkrieges erhielt Dietrich dessen Bibel von seiner Mutter zur Konfirmation. Sie wurde zu seiner Arbeits- und Meditationsbibel. Sie begleitete ihn bis in die Haftzeit.
Wie diese Bibel ein Zeichen familiärer Verbundenheit war, so war es auch der Siegelring der Familie, den Bonhoeffer wie auch seine Brüder trugen.

Der Siegelring mit dem Wappen der schwäbischen Bonhoeffers öffnete den Blick auf den Vater Karl mit seiner naturwissenschaftlichen Nüchternheit und menschlichen Empathie und auf die Mutter mit ihrer Frömmigkeit und Fähigkeit, das Familienleben zu planen, zu gestalten und die Kinder zu fördern.  Über die Eltern hinaus weitete der Referent die Sicht auf die beiden Großeltern der Bonhoefferkinder, vor allem auf die Großmutter Julie Bonhoeffer, geb. Tafel, deren wachen  Sinn für die Unterdrückung und Entrechtung der Juden und deren Gradlinigkeit und Aufrichtigkeit Dietrich Bonhoeffer in seiner Traueransprache 1936 hervorhob.  Noch weiter ging der Referent zurück, um den Wurzelgrund dieser besonderen Familie aufzuzeigen.

Vier Urgroßväter stellte er den Zuhörer*innen vor Augen und mit ihnen vier Aspekte von Lebensentwürfen, die die Bonhoefferkinder auf das Leben vorbereiteten.  In Buchform, in Bildern, die die Wohnung schmückten und bestimmten, und in Erzählungen war ihnen ihr Leben präsent.
Christian Tafel verkörpert das revolutionäre, das freiheitlich-republikanische Erbe;
Stanislav Graf von Kalkreuth steht für das kreative, das musische - bei ihm das malerische - Talent;
Sophronius Franz Bonhöffer bringt das bürgerliche Erbe und Engagement einer freien Reichsstadt in die Familiengeschichte ein;
Karl August von Hase vertritt die liberale Prägung des Protestantismus. Als Burschenschaftler führte ein Konflikt mit dem Landesfürsten zur Festungshaft in Hohenasperg. Den autobiografischen Bericht hat Dietrich Bonhoeffer in der Haft erneut gelesen. Als späterer Kirchenhistoriker schrieb Karl August von Hase eine Kirchengeschichte, die in drei Ergebnissen des 19. Jahrhunderts den Anspruch des von Jesus von Nazareth verheißenen Reiches Gottes widergespiegelt sah: in der Emanzipation der Juden, in der Befreiung der 'Neger' aus der Sklaverei und in der Solidarität der Arbeiterschaft.

Nachdem der Referent in wenigen Zügen die Geschwister Dietrich Bonhoeffers als Teil der Familie beschrieben hatte , entfaltete er den Ort ihres Wohnumfeldes, den Grunewald,  beginnend mit der Idee der Gründung dieser Villenkolonie bis hin zu seinen Bewohnern. Er charakterisierte dieses Wohnviertel mit seinen mehr als 6000 Bewohnern als einen kleinen Kulturstaat, der nach Ablösung des wilhelminischen Machtstaates durch den 1. Weltkrieg ein Vorbild des neuen Staates der Weimarer Republik hätte sein können. Dieses Viertel war Ausdruck des Bildungsbürgertums, das als Teil des allgemeinen Bürgertums seinen Ursprung in der französischen Revolution hat. Bildung und Kultur werden als zentral angesehen. Sie sollen auf das Leben vorbereiten. Sie zielen auf die Gestaltung von Zukunft. Sie bilden Verantwortung. Sie prägen Individualität und Persönlichkeit. Eine besondere Untergruppe des Bürgertums bildet das protestantische bildungsbürgerliche Milieu, das der Referent mithilfe der Studien Max Webers beschrieb. In diesem Milieu verbindet sich Luthers Erbe der Wertschätzung des Gottesdienstes im Alltag der Welt, in Beruf und Arbeit mit dem Erwählungsgedanken calvinischer Prägung, bei der sich das Erwähltsein in Erfolg und Wohlhabenheit zeigt.

Die Familie Bonhoeffer wie das Wohnumfeld in Berlin-Grunewald, an die sich Dietrich Bonhoeffer in seiner Haftzeit intensiv erinnert, gehören zu  diesem liberalen protestantischen bildungsbürgerlichen Milieu.  Nicht nur das Dramen- und Romanfragment Dietrich Bonhoeffers in der Haft, schon Partien seiner 'Ethik' und Abschnitte des Essays 'Nach zehn Jahren' zeugen von diesem bürgerlichen Bewusstsein, das mit einem ausgeprägten Verantwortungsbewusstsein gepaart ist. So zitierte der Referent aus 'Nach zehn Jahren': "Wenn man nicht mehr weiß, was man sich und anderen schuldig ist, wo das Gefühl für menschliche Qualität und die Kraft, Distanz zu halten, erlischt, dort ist das Chaos vor der Tür. Wo man um materieller Bequemlichkeit willen duldet, dass die Frechheit einem zu nahe tritt, dort hat man sich bereits selbst aufgegeben, dort hat man ...sich schuldig gemacht am Ganzen. In anderen Zeiten mag es die Sache des Christentums gewesen sein, von der Gleichheit der Menschen Zeugnis zu geben; heute wird gerade das Christentum für die Achtung menschlicher Distanzen und menschlicher Qualität leidenschaftlich einzutreten haben." . Christine von Dohnanyi, geb. Bonhoeffer formulierte im Sommer 1946 gegenüber Ricarda Huch als Ziele der Erziehung ihrer Eltern: "persönliche Anspruchslosigkeit und Bescheidenheit, unbedingte Wahrhaftigkeit und Verantwortlichkeit dem gesprochenen Wort, ja sogar der Formulierung gegenüber, Ablehnung von Modenarrheiten auf geistigem und anderem Gebiet, Achtung vor der Meinung und besonders vor den Gefühlen der Mitmenschen."  

Der Referent schloß mit einem Ausblick auf die in den ethischen Fragmenten zentralen Begriffe der 'Wirklichkeitsgemäßheit' bzw. 'Situationsgemäßheit'. Er verband sie mit Wahrheit und Freiheit. "Der verantwortlich Handelnde bezieht die gegebene Situation in sein Handeln ein...Nicht irgendein fremdes Gesetz wird der Wirklichkeit aufgezwungen, vielmehr ist das Handeln des Verantwortlichen im tiefsten Sinne wirklichkeitsgemäß." 

Auf die Frage 'Was ist wirklich?' verwies der Referent auf ein unscheinbares Zitat aus dem Brief vom 15.12.1943: "'Lüge' ist die Zerstörung und die Feindschaft gegen das Wirkliche, wie es in Gott ist." (DBW 8,S.238). Wahrheit - im Umkehrschluss - ist Aufbau und Freundschaft des Wirklichen. Das Wirkliche gibt es nicht ohne Wahrheit. Doch Wahrheit ist situationsbezogen, Einsicht in die Wirklichkeit der jeweiligen Situation - wie sie sich von Gott aus ergibt.  Was dies bedeutet, müsste an Bonhoeffers Überlegungen zu 'Jesus Christus und die mündige Welt' entfaltet werden, mit denen Bonhoeffer die guten Erfahrungen und Einsichten seiner bürgerlichen Welt theologisch integriert.

An diese Stelle wäre es reizvoll gewesen, in eine intensive Diskussion einzutreten. Doch die Hörer*innen waren so erfüllt und so gesättigt von der Beschreibung der Hintergründe dieser Familie, die auch Dietrich B. nachhaltig geprägt haben, dass es zu keinem Nachgespräch mehr kam. Sie dankten es dem Referenten mit einem intensiven Applaus und mit Worten der Anerkennung in persönlichen Gesprächen.

Mit einem Reisesegen entließ der amtierende Pastor der Gemeinde die Zuhörerschaft in der Bonhoefferkirche und lud zu einem Wiedersehen im Jahr 2018 ein. Nun gilt es, ein neues aktuelles Thema zu suchen, das organisch mit dem Erbe der Bonhoefferfamilie verbunden werden kann.

 

Wir danke Herrn Prof. Ebbrecht für den ausführlichen Bericht.

Der besseren Lesbarkeit wurden die Fußnoten geopfert. Wenn Sie sich für die Herkunft von Zitaten etc interessieren, schreiben Sie bitte die Onlineredaktion an.

 

Bericht über den 20. Bonhoeffertag

von Pfarrer Ulrich Lörzer, Aschersleben

“Auf das Leben vorbereitet” – so hieß das Motto des diesjährigen Bonhoeffertages in Friedrichsbrunn am 20.8.17.
Es war der 20. Bonhoeffertag, zu dem sich Gäste aus nah und fern eingefunden hatten. Traditionell feiert die Kirchengemeinde, die diesen Tag gemeinsam mit dem Förderverein “Bonhoeffer-Haus” e.V. veranstaltet, zur Eröffnung einen Sprengelgottesdienst, so dass auch die Gemeinden aus Warnstedt, Thale und Bad Suderode daran Anteil nehmen konnten, wie Gäste aus der Region um Quedlinburg, aus dem Kirchenkreis Halberstadt und von weiter her sogar aus Berlin und Bremen. Durch die Liturgie des Gottesdienstes führte Pfarrer Ulrich Lörzer. In seiner Begrüßung machte er deutlich, dass der Bonhoeffertag an Dietrich Bonhoeffer erinnern will, der mit Friedrichsbrunn verbunden ist, weil seine Familie hier ein Ferienhaus unterhielt. Traditionell widmet sich der Bonhoeffertag deshalb thematisch nicht nur Dietrich Bonhoeffer selbst, sondern seiner ganzen Familie.

Der Bonhoeffertag fiel in diesem Jahr auf den Israelsonntag. In Würdigung und Aufnahme unseres jüdischen Glaubenserbes wurde im Gottesdienst das “Höre Israel” (Dtn 6,4-9) verlesen. Das Evangelium aus LK 15 (Gleichnis von den 2 Söhnen) wiederum nahm den familiären Aspekt des Bonhoeffertages in den Blick. Regionalbischof Christoph Hackbeil hielt die Predigt zu diesem Evangelientext und band auf interessante Weise die verschiedenen thematischen Vorgaben zusammen. Die souveräne musikalische Begleitung hatte erneut, wie schon in vielen Jahren zuvor, der Posaunenchor Thale unter Leitung von Frau Christine Bick inne.

Dass Kinderlachen und Kinderspiel in dem Hause Bonhoeffer seinen festen Platz hatte – vor allem hier, an diesem unbeschwertem Ort -, kam zum Ausdruck durch einen Vortrag des Kindergartens “Zwergenstübchen” unter Leitung von Frau Christiane Nordhaus im Anschluss an den Gottesdienst. Kurzzeitig war der Garten erfüllt von Indianergeheul und Indianertanz.

Auf einen Vortrag des geladenen Gastreferenten Dr. Cornelius Bormann (aus Erftstadt-Lechenich bei Köln) in der Bonhoeffer-Kirche, bereitete eine impulsartige Anregung vor, gedacht als gedankliche Annäherung an das Thema “Familie”. Frau Ruth Ziemer und Frau Christine Bick hatten gemeinsam ein Blatt erstellt, mit dem man sich in die familiären Gegebenheiten der eigenen Kindheit anhand der Tischkultur hineinversetzen konnte.

Ehe der Tag mit dem Kaffee- und Kuchenangebot im Bonhoeffer-Haus seinen Abschluss fand, hatten sich nach einem kräftigen Mittagessen zahlreiche Gäste eingefunden, um dem Vortrag von Herrn Dr. Cornelius Bormann  über “Die Familie Bonhoeffer im Grunewald – eine Familie aus dem protestantischen Bildungsbürgertum” zu folgen. Herr Dr. Bormann legte erkenntnisreich und detailliert viele familiäre Wurzeln des Denkens und Handelns von Dietrich Bonhoeffer offen und gab damit einen Einblick in seine erst im fortgeschrittenen Alter vorgenommenen Forschungen um Dietrich Bonhoeffer – frappierend dabei zu spüren die Aktualität seiner Gedanken.

Vielen Dank auch Frau Gabriele Zehnpfund als Inhaberin des Cafés im Bonhoeffer-Haus für alle rückwärtige Aktivität, Organisation und Bereitschaft, diesen gelungenen Tag nicht nur mitzutragen, sondern auch mitzugestalten.
 


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