Bonhoeffer-Kirchenfenster in Breslau

Aktuelle Meldung vom: 29.12.2018

In diesem Jahr feiern wir in Breslau das 60. Jubiläum der Wiederweihe der Christophori-Kirche.
Aus Schutt und Asche wurde diese Kirche aufgebaut und ist heute die Hauptkirche der deutschen Gemeinden für ganz Polen geworden. Wir verstehen uns als die Generation, die den Aufbau der Kirche zu Ende bringen soll. Damals, in den schweren Nachkriegszeiten, war es nicht möglich die Fenster der Kirche so aufzubauen wie es sich für eine gotische Kirche gehört.

Deswegen hatte unsere Gemeinde beschlossen für dieses Fest die Fenster neu zu gestalten. Seit 2016 läuft dieses Projekt „Die Bleifenster der Christophori-Kirche zu Breslau”.

Drei Fenster bekamen jeweils zwei Repliken von alten Wappen vom 1568 von Breslauer Familien. Zwei weitere Fenster bekommen insgesamt 14 Wappen von schlesischen Familien, die in der Genossenschaft des Johanniter Ordens vertreten sind. Ein Fenster wird der Familie van Beuningen gewidmet, deren Familienmitglied als der letzte Pastor in der Gustav-Adolf-Gedächtniskirche in Zimpel tätig war. Zwei weitere Fenster, hinter dem Altar, sind den Märtyrern des Nationalsozialismus gewidmet. Bonhoeffer, Stein, Kolbe und Bursche haben den Mut gehabt die Wahrheit zu sagen. Sie sind ihrer Berufung treu geblieben, alle vier haben dafür mit ihrem Leben bezahlt.

Als die einzige deutsche evangelische Gemeinde in Polen wollen wir mit diesem Projekt eine klare Nachricht senden, wenn das Böse sich breit macht, sollen wir als Christen nicht schweigen.

Der Künstler heißt Marcin Czeski. Er leitet seinen Werkstatt und ist zugleich Professor für Glasmalerei und derer Geschichte an der Kunstakademie in Breslau. Die Akademie pflegt sozusagen die Tradition der alten Königlichen Akademie für Kunst und Handwerk. Ein Element des Fensters ist 60x80 cm groß. Das Projekt kostet 90 Tsd €. Initiatorin und erste Entwürfe stammen von Prinzessin Elisabeth Biron von Curland.

Die feierliche Einweihung der Fenster mit den vier Märtyrern wird am 14.12.2018 in einem Gottesdienst um 14.00 Uhr stattfinden. Sie sind zu diesen Feierlichkeiten herzlich eingeladen.

Andrzej Fober (Wir danken ganz herzlich für Bild und Text.)

 

Neue Glasfenster in Breslauer St. Christophori-Kirche: Gemeinde ehrt Dietrich Bonhoeffer

Am 14. Dezember 2018 feierte die deutschsprachige evangelische St. Christophori-Gemeinde in Breslau die Wiedereinweihung ihrer Kirche nach dem Krieg vor 60 Jahren. Die Predigt im festlichen Gottesdienst hielt der leitende Bischof der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Jerzy Samiec. Probst Andrzej Fober, der Pfarrer der Gemeinde, leitete die Liturgie. Fober gab auch den Anstoss, den Wiederaufbau der Kirche durch die Einsetzung neuer Glasfenster abzurunden. Innerhalb von nur 17 Monaten planten, führten durch und finanzierten (!) er und einige Mitstreiter dieses ambitionierte Projekt.

Im Jubiläumsgottesdienst konnten so zugleich die neuen Glasfenster eingeweiht werden, die in ökumenischer Weite «Vier Märtyrern des 20. Jahrhunderts» gewidmet sind. Alle waren Opfer des Nationalsozialismus: Edith Stein, Maximilian Kolbe, Juliuzs Bursche – und Dietrich Bonhoeffer. Die Internationale Bonhoeffer-Gesellschaft, Deutschsprachige Sektion hat dieses Projekt in Bonhoeffers Geburtsstadt grosszügig unterstützt – nicht zuletzt auch dank der Kollekte ihrer Mitglieder im Abschlussgottesdienst der letzten Jahrestagung im September. Am Jubiläumsgottesdienst in Breslau hat für die ibg Dominik Weyl teilgenommen und während des anschliessenden Empfangs nachfolgendes Grusswort gesprochen:

Im Namen der deutschsprachigen Sektion der Internationalen Bonhoeffer-Gesellschaft und in Vertretung ihres Vorsitzenden, Prof. Dr. Hartmut Rosenau, darf ich Sie alle herzlich grüssen und der St. Christophori-Gemeinde zu ihrem Jubiläum gratulieren. Es ist gut, dass Ihre Kirche nach der Zerstörung im Krieg schon seit 60 Jahren wieder ein Ort des Gottesdienstes und der Begegnung ist. Gerne feiere ich dieses Fest mit Ihnen. Umso mehr, als wir heute auch die Fertigstellung der neuen Fenster in Ihrer Kirche feiern können. Dass Ihre Gemeinde sich entschieden hat, eines der Fenster Dietrich Bonhoeffer zu widmen, freut unsere Gesellschaft sehr. Darum haben wir das Projekt auch gerne unterstützt.

Dietrich Bonhoeffer wurde in Wrocław geboren, ist aber dann in Berlin aufgewachsen. Gewirkt hat er hier nicht. Dennoch ist sein Geburtsort ein besonderer Erinnerungsort für alle, die sich mit seinem Leben und seinen Texten auseinandersetzen. Viele haben das Denkmal für ihn unweit der St. Elisabeth-Kirche schon besucht; viele werden sich künftig auch das Fenster in Ihrer Kirche anschauen wollen.
1970, nicht lange nach dem Zweiten Weltkrieg, hat die Publizistin Anna Morawska Dietrich Bonhoeffer in Ihrem Land bekannt gemacht. Sie hat eine Sammlung seiner Texte  in polnischer Sprache herausgebracht und eine beachtenswerte biographisch-theologische Skizze über ihn geschrieben. „Dietrich Bonhoeffer. Ein Christ im Dritten Reich“  ist der Titel dieses engagierten Buches.

Anna Morawska hat damit vielfache und bleibende Wirkung erzielt: Sie hat eben nicht nur Dietrich Bonhoeffer in Ihrem Land bekannt gemacht, sondern sie hat damit auch an der Brücke mitgebaut, die Polen und Deutschland bis heute tragfähig verbindet. Sie hat – mit Dietrich Bonhoeffer – einen Beitrag geleistet zur Verständigung und Versöhnung zwischen unseren Ländern – trotz unserer gebrochenen Geschichte. Angesichts unserer Gegenwart ist es gut, uns das vor Augen zu halten. Versöhnung zwischen Völkern und Staaten, so hat Bonhoeffer geschrieben, ist immerhin ein „schwacher Schatten der Vergebung Jesu Christi“ , der – wie dem Frieden – nachzujagen sich lohnt. 

Tadeusz Mazowiecki meint, dass die Gedanken Dietrich Bonhoeffers auch die „Herausbildung der um die Freiheit in Polen kämpfenden demokratischen Opposition“  gefördert haben und damit die Wende zur Dritten Republik. Vermittelt durch Anna Morawska hat Bonhoeffer einige Menschen in Ihrem Land inspiriert, politisch mündig zu werden. Dazu gehört wohl auch zu erkennen – und nicht zuletzt: anzuerkennen –, dass der Staat und auch die Nation stets nur etwas Vorletztes sind und uns immer nur relativ angehen. Unbedingt geht uns hingegen Gott an. Gottes Zuspruch in Jesus Christus ist der letzte Anspruch an uns.

Noch einmal darf ich Ihnen im Namen der Internationalen Bonhoeffer-Gesellschaft an diesem Festtag herzlich gratulieren. Gottes Segen möge Sie und Ihre Gemeinde durch den Advent begleiten – und darüber hinaus. Dziękuję.

Vom Jubiläumsgottesdienst gibt es eine Audioaufnahme, die Sie online hören können. Der nachfolgende Link leitet sie zur deutsch-polnischen Version von Bonhoeffers Gedicht «Von guten Mächten» weiter:
https://soundcloud.com/user-219004119/32-komunia-przez-dobr-moc?in=user-219004119/sets/nabozenstwo-jubileuszowe (22.12.2018)

Homepage der Gemeinde (auf Deutsch):
http://schg.pl/ (22.12.2018)

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