Einladung zum 23. Bonhoeffertag

Aktuelle Meldung vom: 27.02.2020

Dr. Jutta Koslowski

Bonhoeffer-Haus Friedrichsbrunn

Familie(n) leben: Familienleben – Familie leben“

Einladung zum 23. Bonhoeffertag in Friedrichsbrunn am 23.8.2020


Vor 75 Jahren, kurz vor der Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8./9. Mai 1945, hat das NS- Regime vier Mitglieder der Familie Karl und Paula Bonhoeffer ermorden lassen: die Söhne Klaus und Dietrich Bonhoeffer und die Schwiegersöhne Hans von Dohnanyi und Rüdiger Schleicher. Sie waren aktiv im Widerstand eingebunden. Die übrige Familie wusste dies und unterstütze ihren Einsatz. Im Oktober 1945 schrieb der Vater, Prof. Dr. Karl Bonhoeffer an einen seiner ehemaligen Mitarbeiter in der Charite, an Prof. Joßmann, der als Jude rechtzeitig in die USA emigrieren konnte:

„Daß wir sehr viel Schlimmes erlebt und zwei Söhne (Dietrich, der Theologe, und Klaus, Chefsyndikus der Lufthansa) und zwei Schwiegersöhne (Prof. Schleicher und Dohnanyi) durch die Gestapo verloren haben, haben Sie...erfahren. Sie können sich denken, daß das an uns alten Leuten nicht ohne Spuren vorübergegangen ist. Die ganzen Jahre hindurch stand man unter dem Druck der Sorge um die noch nicht Verhafteten, aber Gefährdeten. Da wir alle aber über die Notwendigkeit zu handeln einig waren und meine Söhne auch sich im Klaren waren, was ihnen bevorstand im Falle des Mißlingens des Komplotts und mit dem Leben abgeschlossen hatten, sind wir wohl traurig, aber auch stolz auf ihre gradlinige Haltung.“ (Bethge / Gremmels, Dietrich Bonhoeffer, München, 1986, S. 234).

Dieser Brief ist ein Zeugnis über den Zusammenhalt der Familie, die gemeinsam der Hitlerdiktatur, dem Unrechtsstaat, der Menschenverachtung in der millionenfachen Ermordung von Juden widerstanden hat.

Was ermöglichte den Widerständlern ihre 'gradlinige Haltung'? Aus vielen weiteren Zeugnissen aus dem Kreis der Familie geht hervor: es waren auch die familiären Bande, das Vertrauen untereinander und die erlernte Verantwortung für das eigene und das politische Leben.

Bewegend ist der testamentarische Brief von Klaus Bonhoeffer an seine Kinder Ostern 1945 aus der Haftanstalt Lehrterstraße sechs Wochen nach dem Todesurteil. Er bittet seine Kinder, „in Liebe, Vertrauen, Ritterlichkeit und Sorge“ ihrer Mutter fest zur Seite zu stehen. Er fordert sie auf, als Geschwister in aller Verschiedenheit „fest und immer fester“ zusammenzuhalten. „Pflegt, was Euch zusammenführt. Spielt, singt und tanzt miteinander, wie wir es so oft gemacht haben.“ Er erinnert sie an den Ehering an seiner rechten Hand und an den Wappenring, den alle Bonhoeffersöhne trugen, an seiner Linken. Sein Testament: „Höre die Stimme der Vergangenheit. Verliere dich nicht selbstherrlich an die flüchtige Gegenwart. Sei treu der guten Art deiner Familie und überliefere sie Kindern und Enkeln…Die Ehrfurcht vor der Vergangenheit und die Verantwortung gegenüber der Zukunft geben fürs Leben die rechte Haltung. Haltet stolz zu Eurer Familie, aus der solche Kräfte wachsen.“

Was kann Familie heute zur Bildung von Verantwortung für das eigene Leben wie das des Gemeinwesens beitragen?

Der 23. Bonhoeffertag in Friedrichbrunn, in dem die Familie ein Ferienhaus besaß, greift das Thema 'Familie(n)leben: Familienleben – Familie leben' auf. Am Sonntag, den 23.8.2020 soll einen Tag lang im Gottesdienst, in Vorträgen, in Gesprächen mit sachkundigen Referentinnen und untereinander diesem Thema nachgegangen werden.

Der Tag beginnt mit einem Gottesdienst im Garten des Ferienhauses der Familie Bonhoeffer. Die Liturgie und Predigt wird gehalten von Pfarrerin Dr. Saskia Lieske, der Ortspfarrerin, und begleitet vom Posaunenchor Thale unter der Leitung von KMDin Christine Bick.

Nach einem Mittagessen vom Grill im Cafe Bonhoeffer, zubereitet von der Besitzerin Gabriela Zehnpfund mit ihrem Team, werden die Besucher*innen eingeladen, miteinander über 'Familien-Erfahrungen' ins Gespräch zu kommen.

Ab 14.00 Uhr finden in der Bonhoefferkirche Friedrichsbrunn Vorträge, Gesprächsimpulse und Diskussionen statt. Dazu werden fachkundige Referentinnen sprechen:

Frau Pfarrerin Dr. Jutta Koslowski, Herausgeberin der Lebenserinnerungen von Susanne Dreß, der jüngsten Tochter der Familie, referiert über 'Ehe, Kindererziehung, kulturelles Leben und politisches Engagement im Hause Bonhoeffer‘. Rückfragen im Plenum schließen sich an.

Im zweiten Teil des Nachmittags gibt Frau Dr. Insa Schöningh, Bundesgeschäftsführerin der evangelischen Arbeitsgemeinschaft Familie e.V. aus Berlin und Mitverfasserin der Studie der EKD von 2013 mit dem Titel 'Zwischen Autonomie und Angewiesenheit. Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken', einige Denkimpulse zu 'Familie leben heute'.

Dass der 23. Bonhoeffertag 2020 einen Tag nach dem 111.Geburtstag von Susanne Dreß, geborene Bonhoeffer (22.8.1909 – 15.1.1991) stattfindet und zugleich an den Geburtstag der taffen

Großmutter Julie Bonhoeffer (21.8.1842- 13.1.1936) erinnert, entspricht einer Tradition der Bonhoeffertage Friedrichsbrunn, die sich unterschiedlichen Aspekten der gesamten Familie widmen und in der Regel im zweiten Drittel des August eines Jahres stattfinden.


Programmentwurf (Stand 26.3.2020)


Familie(n)leben: Familienleben – Familie leben


11.00 Uhr Festlicher Gottesdienst

im Garten des Bonhoeffer-Hauses, Waldstraße 7

bei schlechtem Wetter in der Bonhoefferkirche

mit dem Posaunenchor Thale. Leitung Christine Bick

Liturgie und Predigt: Pfarrerin Dr. Saskia Lieske, Thale

Anschließend Mittagsimbiss vom Grill

Ca. 13.15 Uhr Am Familientisch - Gespräch über Erfahrungen mit Familie

14.00 Uhr Vorträge und Gespräche in der Bonhoefferkirche

Familie(n)leben –

Ehe, Kindererziehung, kulturelles Leben und politisches Engagement im Hause Bonhoeffer

Pfarrerin Dr. Jutta Koslowski, Theologin und Autorin, Gnadenthal im Taunus

Familie(n) leben heute -

Familien als verlässliche Gemeinschaften in der Verantwortung für das Gemeinwohl stärken (Arbeitstitel)

Dr. Insa Schöningh, Bundesgeschäftsführerin der evangelischen Arbeitsgemeinschaft Familie e.V., Berlin

Vorträge und Gespräche mit den Referentinnen und den Besucher*innen

 

Ca. 16.00 Uhr Kaffee und Kuchen im Garten des Bonhoefferhauses

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