Einladung zum 23. Bonhoeffertag

Aktuelle Meldung vom: 27.02.2020

Dr. Jutta Koslowski

Bonhoeffer-Haus Friedrichsbrunn

Familie(n) leben: Familienleben – Familie leben“

Einladung zum 23. Bonhoeffertag in Friedrichsbrunn am 23.8.2020


Im April vor 75 Jahren, kurz vor der Kapitulation der deutschen Wehrmacht Anfang am 8./9. Mai 1945, hat das NS-Regime vier Mitglieder der Familie Karl und Paula Bonhoeffer ermorden lassen.

Dietrich Bonhoeffer wurde am 9.4.1945 mit anderen Widerständlern aus dem Amt Canaris im KZ Flossenbürg erhängt. Zur gleichen Zeit starb Hans von Dohnanyi, der Ehemann von Christine Bonhoeffer im KZ Sachsenhausen. Am 23. April wurden Klaus Bonhoeffer und sein Schwager Rüdiger Schleicher von einem SS- Kommando in der Nähe des Lehrter Bahnhofes erschossen.

Die übrige Familie erfuhr erst nach der Kapitulation des NS-Regimes von den Ermordungen. Die Trauer über den Verlust ihrer aufrichtigen männlichen Mitglieder war groß. Im Oktober schrieb der Vater Prof. Dr. Karl Bonhoeffer an einen seiner ehemaligen Mitarbeiter in der Charite, an Prof. Joßmann, der als Jude rechtzeitig in die USA emigrieren konnte:


„Daß wir sehr viel Schlimmes erlebt und zwei Söhne (Dietrich, der Theologe, und Klaus, Chefsyndikus der Lufthansa) und zwei Schwiegersöhne (Prof. Schleicher und Dohnanyi) durch die Gestapo verloren haben, haben Sie...erfahren. Sie können sich denken, daß das an uns alten Leuten nicht ohne Spuren vorübergegangen ist. Die ganzen Jahre hindurch stand man unter dem Druck der Sorge um die noch nicht Verhafteten, aber Gefährdeten. Da wir alle aber über die Notwendigkeit zu handeln einig waren und meine Söhne auch sich im Klaren waren, was ihnen bevorstand im Falle des Mißlingens des Komplotts und mit dem Leben abgeschlossen hatten, sind wir wohl traurig, aber auch stolz auf ihre gradlinige Haltung.“

(Bethge / Gremmels, Dietrich Bonhoeffer, München, 1986, S. 234).


Dieser Brief ist nicht nur ein Spiegel der Trauer über den großen Verlust sondern auch ein Zeugnis über den Zusammenhalt der Familie, die gemeinsam der Hitlerdiktatur, dem Unrechtsstaat, der Menschenverachtung in der millionenfachen Ermordung von Juden widerstanden hat.


Was ermöglichte den Widerständlern ihr 'gradlinige Haltung'? Nicht nur aus dem Brief, sondern aus vielen anderen Zeugnissen aus dem Kreis der Familie geht hervor: es waren auch die familiären Bande, das Vertrauen untereinander und die erlernte Verantwortung für das eigene und das politische Leben, die das bildeten und prägten, was Christine von Dohnanyi von ihrem Ehemann Hans nach dem Krieg zitierte:

„Wir haben die Sache (erg. des Widerstandes) nicht als Politiker gemacht. Es war einfach der zwangsläufige Gang eines anständigen Menschen.“

(aus einem Brief von Christine von Dohnanyi an Otto John, September 1945).


Welche Ressourcen zum Widerstand, welche Resilienz (Widerstandskraft) ermöglichte die Familie? Was kann Familie heute zur Bildung von Verantwortung für das eigene Leben wie das Gemeinwesen beitragen?


Der 23. Bonhoeffertag in Friedrichbrunn, dem Ort, an dem die Familie ein Ferienhaus besaß, greift das Thema 'Familie(n)leben: Familienleben – Familie leben' auf.

Am Sonntag, den 23.8.2020 soll einen Tag lang im Gottesdienst, in Vorträgen, in Gesprächen mit sachkundigen Referentinnen und untereinander diesem Thema nachgegangen werden.


Der Tag beginnt mit einem Gottesdienst im Garten des Ferienhauses der Familie Bonhoeffer. Die Liturgie und Predigt wird gehalten von Pfarrerin Dr. Saskia Lieske, der Ortspfarrerin, und begleitet vom Posaunenchor Thale unter der Leitung von KMD Christine Bick.


Nach einem Mittagessen vom Grill im Cafe Bonhoeffer, zubereitet von der Besitzerin Gabriela Zehnpfund mit ihrem Team, werden die Besucher*innen eingeladen, miteinander über 'Familien-Erfahrungen' ins Gespräch zu kommen.


Ab 14.00 Uhr finden in der Bonhoefferkirche Friedrichsbrunn Vorträge, Gesprächsimpulse und Diskussionen statt. Dazu werden fachkundige Referentinnen sprechen:

Frau Pfarrerin Dr. Jutta Koslowski, Herausgeberin der Erinnerungen von Susanne Dreß, der jüngsten Tochter der Familie, berichtet unter dem Thema 'Eine Familie im Widerstand gegen das NS-Regime' (bisheriger Arbeitstitel) aus dem Leben der Familie Bonhoeffer. Rückfragen im Plenum schließen sich an.

Danach, im zweiten Teil das Nachmittags, gibt Frau Dr. Insa Schöningh, Bundesgeschäftsführerin der evangelischen Arbeitsgemeinschaft Familie e.V. aus Berlin und Mitverfasserin der Studie der EKD von 2013 mit dem Titel 'Zwischen Autonomie und Angewiesenheit. Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken', einige Denkimpulse für die Aufgabe, 'Familie leben heute'.


Dass der 23. Bonhoeffertag 2020 einen Tag nach dem 111.Geburtstag von Susanne Dreß, geborene Bonhoeffer (22.8.1909 – 15.1.1991) stattfindet und zugleich an den Geburtstag der taffen Großmutter Julie Bonhoeffer (21.8.1842- 13.1.1936) erinnert, entspricht einer Tradition der Bonhoeffertage Friedrichsbrunn, die sich unterschiedlichen Aspekten der gesamten Familie widmen und in der Regel im zweiten Drittel des August eines Jahres stattfinden.


Programmentwurf (Stand 19.2.2020)


Familie(n)leben: Familienleben – Familie leben


11.00 Uhr Festlicher Gottesdienst

im Garten des Bonhoeffer-Hauses, Waldstraße 7

bei schlechtem Wetter in der Bonhoefferkirche

mit dem Posaunenchor Thale. Leitung Christine Bick


Liturgie und Predigt: Pfarrerin Dr. Saskia Lieske, Thale


Anschließend Mittagsimbiss vom Grill


Ca. 13.15 Uhr Am Familientisch - im Gespräch über Erfahrungen mit der Familie


14.00 Uhr Vorträge und Gespräche in der Bonhoefferkirche


Eine Familie im Widerstand gegen das NS- Regime (Arbeitstitel)

Aus dem Leben der Familie Bonhoeffer – Impressionen einer bildungs-bürgerlichen politisch wachen Familie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Pfarrerin Dr. Jutta Koslowski, Gnadenthal


Familie(n) leben heute -

Familien als verlässliche Gemeinschaften in der Verantwortung für das Gemeinwohl stärken (Arbeitstitel)

Dr. Insa Schöningh, Bundesgeschäftsführerin der evangelischen Arbeitsgemeinschaft Familie e.V., Berlin


Vorträge und Gespräche mit den Referentinnen und den Besucher*innen

 


Ca. 16.00 Uhr Kaffee und Kuchen im Garten des Bonhoefferhauses

Leben und Werk

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