Gedanken zum 76. Todestag Dietrich Bonhoeffers

Aktuelle Meldung vom: 09.04.2021

Tegel 1944

Zum 76. Todestag Dietrich Bonhoeffers am 9. April      

„Von der Auferstehung Christi her leben – das heißt doch Ostern.“

 Liebe Mitglieder, Freundinnen und Freunde des Bonhoeffer-Hauses,

am 9. April 1945 wurden Hans von Dohnanyi in Sachsenhausen und Dietrich Bonhoeffer mit den Mitverschwörern aus dem Oberkommando der Wehrmacht in Flossenbürg ermordet.

Leider können wir auch am 76. Todestag, wie schon im vergangenen Jahr, wegen der Pandemie das Bonhoeffer-Haus nicht für Besuchende öffnen.

Mit den Gedanken von Dietrich Bonhoeffer im Brief an Eberhard Bethge zu Ostern 1944 können wir jedoch im Gedenken verbunden bleiben mit ihm und den andern, die ihr Leben für das "Weiterleben einer kommenden Generation" eingesetzt haben.

Wie Dietrich Bonhoeffer von der Auferstehung her lebt, das ahnen wir bei seinen Worten über Sterben und Tod. Von außen, wie beim „archimedischen Punkt“, kann Gottes Wirklichkeit, die sich in der Auferstehung Christi erweist, unsere Wirklichkeit bewegen. Dies geschieht, wenn sie „wie ein neuer, reinigender Wind in die gegenwärtige Welt“ weht und „wenn ein paar Menschen dies wirklich glaubten und sich in ihrem irdischen Handeln davon bewegen ließen.“ So kann der Glaube im „Beten und Tun des Gerechten“, worüber Bonhoeffer im Taufbrief einen Monat später schreibt, zur entscheidenden Hebelkraft werden. Noch kann inmitten der „Maskerade des Bösen“ „das lösende und befreiende Wort“, nicht „gehört werden“. Aber die Zeit der Befreiung wird kommen und Ostern ist nicht nur der Grund der Gewissheit, sondern auch „eine der letzten großen Gelegenheiten, uns auf unsere künftige Aufgabe vorzubereiten.“

Dietrich Bonhoeffer, der von dieser österlichen Vision her gelebt hat, konnte die Befreiung nicht mehr erleben. Angesichts der Ungerechtigkeit, der Gewalt, der Kriege und der Spaltungen in unserer Welt und der Zerstörung der Schöpfung hoffen auch wir heute, dass die Auferstehung Christi „„wie ein neuer, reinigender Wind in die gegenwärtige Welt“ weht“ und wir begreifen, was es heißt: „von der Auferstehung her leben“.

Dietrich Bonhoeffer:

(Brief aus dem Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis Tegel vom 27.3.1944, DBW 8, 368f).

 

„Ostern? Unser Blick fällt mehr auf das Sterben als auf den Tod. Wie wir mit dem Sterben fertig werden, ist uns wichtiger, als wie wir den Tod besiegen. Sokrates überwand das Sterben, Christus überwand den Tod als εσχατος εχθρος [letzten Feind] (1. Kor 15,26).

Mit dem Sterben fertig werden bedeutet noch nicht mit [dem] Tod fertig werden. Die Überwindung des Sterbens ist im Bereich menschlicher Möglichkeiten, die Überwindung des Todes heißt Auferstehung. Nicht von der ars moriendi [Kunst des Sterbens], sondern von der Auferstehung Christi her kann ein neuer, reinigender Wind in die gegenwärtige Welt wehen. Hier ist die Antwort auf das δος μοι που στω και κινησω την γην [gib mir einen Ort, wo ich stehen kann, und ich werde die Welt bewegen]. Wenn ein paar Menschen dies wirklich glaubten und sich in ihrem irdischen Handeln davon bewegen ließen, würde vieles anders werden. Von der Auferstehung her leben - das heißt doch Ostern. Findest du auch, dass die meisten Menschen nicht wissen, woher sie eigentlich leben? Die perturbatio animorum [Verwirrung der Geister] greift außerordentlich um sich. Es ist ein unbewusstes Warten auf das lösende und befreiende Wort. Aber noch ist wohl nicht die Zeit, dass es gehört werden kann. Aber sie wird kommen, und dieses Ostern ist vielleicht eine der letzten großen Gelegenheiten, uns auf unsere künftige Aufgabe vorzubereiten.“

 

Herzliche Grüße

Gottfried Brezger

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