Dekalog und Bergpredigt

Dekalog und Bergpredigt sind nicht zwei verschiedene ethische
Ideale, sondern der eine Ruf zum konkreten Gehorsam
gegen den Gott und Vater Jesu Christi. Wo im Glauben an
Gott die Ordnung des Eigentums bejaht und verantwortet wird,
dort geschieht nichts anderes als wo im Glauben an Gott auf
das Eigentum Verzicht geleistet wird. Weder der »Kampf ums
Recht« noch der »Verzicht auf Recht« sind an sich etwas, also
etwa eigener Gegenstand der kirchlichen Verkündigung, aber
im Glauben ist das Eine wie das Andere Unterwerfung unter
Gottes alleiniges Recht. Es gibt also nicht eine doppelte Wertetafel,
für die Welt und die Christen, sondern es ist das eine
Glauben und Gehorsam fordernde Wort Gottes, das allen Menschen
gilt. Dabei wäre es auch verfehlt, in der Verkündigung an
die Welt stärker den Kampf um das Recht, in der Verkündigung
an die Gemeinde stärker den Verzicht auf das Recht zu betonen.
Beides gilt Welt und Gemeinde. Die Behauptung, mit der
Bergpredigt lasse sich nicht regieren, kommt aus einem Mißverständnis
der Bergpredigt. Auch eine Staatsführung kann kämpfend
und verzichtend Gott ehren und nur darum geht es der
Verkündigung der Kirche. Es ist niemals die Aufgabe der Kirche
den Staat den natürlichen Selbsterhaltungstrieb zu predigen,
sondern allein den Gehorsam gegen das Recht Gottes.

Dietrich Bonhoeffer

Quelle:
Ethik
, DBW Band 6, Seite 361

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