Veranstaltungen

 

Termine der Jahrestagungen 2019 und 2020:

 

5. bis 8. September 2019 in Eisenach

 

3. bis 6. September 2020 in Eisenach

 

 

Nachlese zur Jahrestagung 2018 in Eisenach

Dominik Weyl, Zürich:

Gerade liegt die Jahrestagung der ibg hinter uns und mit vielen Eindrücken sind wir wieder zuhause angekommen. Die Rückfahrt von Eisenach ins Zürcher Oberland haben wir für eine ausführliche Nachbesprechung genutzt.

Zunächst zum Thema: Bonhoeffer als Seelsorger wurde uns sowohl in seiner Nähe zu uns (diakonische, begleitende und beratende Seelsorge) als auch in seiner Abständigkeit von uns (kerygmatische, also verkündigende Seelsorge) neu bewusst. Insofern wird bei der ibg kein «Heiligkeitsdusel» praktiziert, wie Bonhoeffer so etwas selbst einmal nannte, sondern offen auf Bonhoeffers Theologie geblickt. Vielleicht ist es doch auch nur eine Nuance, die Bonhoeffer und uns zu trennen scheint, aber in der Seelsorge sollte das Wort Gottes als Evangelium zugesprochen werden und nicht, um eine «Verstockung» des Menschen aufzubrechen. Das stellt Bonhoeffer absichtlich etwas schablonenhaft dar. Womöglich, weil wir heute einen engeren Begriff von Seelsorge haben als Bonhoeffer und dadurch mehr auf die Begleitung und Beratung von Menschen konzentriert sind. Womöglich aber auch, weil wir gerade darin denken, verkündigend zu handeln. Spannend war für uns schliesslich die kirchenleitende Perspektive auf das Thema, die danach fragte, wie Seelsorge in der Organisation und in den Führungsstrukturen der Kirche(n) integriert werden kann – ohne dass es dabei zuvorderst um Optimierung und das Ausschalten von «Störfaktoren» gehen müsste, sondern so, dass letztlich dem mitarbeitenden Menschen gedient ist.

Wie immer schön waren die herzlichen Begegnungen mit den anderen, schon lange bekannten Mitgliedern der Gesellschaft, die netten Gespräche und tiefen Diskussionen an wechselnden Tischen im Restaurant, die private Whisky-Probe im Foyer – und eine unerwartete, aber uns sehr freuende Geburtstagseinladung. Dass die Bonhoeffer-Gesellschaft dabei kein abgeschlossener Inner-Circle ist, dafür sorgten eine ganze Reihe neuer Teilnehmerinnen und Mitglieder.

 

Dr. Jochen Bohn, München

In diesem Jahr ist mir bei Vorträgen und Gesprächen in Eisenach noch einmal aufgefallen, wie gerne Bonhoeffer nach wie vor im jeweiligen Hier und Jetzt gehört wird. Sein Denken und sein Sprache verlocken zu selbstvergewissernder Aneignung und Vergegenwärtigung. Das ist erfreulich und hat durchaus seinen Wert.

Was ich allerdings darüber hinaus kaum wahrnehme, ist so etwas wie Selbstentsicherung. Die Offenheit dafür,  sich von Bonhoeffer auf die Anfänge des Verstehens zurückwerfen zu lassen, mit Bonhoeffer die Interpretationsvoraussetzungen des Christentums und seiner spätmodernen Erscheinungsformen kritisch zu befragen – diese Offenheit ist doch eher selten. Hier würde ich mir für die Zukunft mehr Mut wünschen. Sonst bleibt die bei Bonhoeffer sich andeutende Möglichkeit einer neuen Sprachfähigkeit weitgehend ungenutzt liegen.

 

 

 

 

Dietrich Bonhoeffer als Seelsorger

Jahrestagung 2018, 13. - 16. September (Haus Hainstein in Eisenach)

 

Herzliche Einladung zur Jahrestagung 2018

Liebe Leserinnen und Leser,

Dietrich Bonhoeffer ist vielen Menschen unserer Zeit wertvoll wegen seiner sensiblen Texte, die großes Einfühlungsvermögen zeigen. Denken Sie nur an „Wer bin ich?“ oder „Von guten Mächten“.

Dann aber gibt es andere Passagen in Bonhoeffers Werk, in denen er recht hart und rigide wirkt. Ich stolpere immer über den Abschnitt aus der „Nachfolge“, in dem Bonhoeffer ein fiktives Seelsorgegespräch beschreibt, in dem der Seelsorger ziemlich scharf und unnachgiebig spricht: „Höre das Wort, es wird dir gepredigt!“ … „Du willst nicht hören.“ Oder über einen Brief an die Finkenwalder Brüder von 1938: „Wir meinen besonders verantwortlich zu handeln, wenn wir alle paar Wochen aufs neue die Frage prüfen, ob auch der angefangene Weg der rechte gewesen sei. … Paulus hat jedenfalls nicht angefangen, über die Richtigkeit seines Weges zu reflektieren, wenn Widerstände und Leiden drohten, Luther auch nicht“. Wer ist Bonhoeffer im Umgang mit anderen Christen, dieser oder jener?

Die diesjährige Tagung auf dem Hainstein will sich auf die Suche nach Bonhoeffer, dem Seelsorger, machen. Professor Peter Zimmerling wird dazu die Spannung zwischen Kerygma und Diakonie in Bonhoeffers Seelsorge-Konzeption beleuchten.

Prof. Hartmut Rosenau wird einen differenzierten Blick darauf werfen, wie Bonhoeffer mit der Theodizee-Frage umgegangen ist.

Und Oberkonsistorialrätin Christina-Maria Bammel wird, aus der kirchenleitenden Praxis kommend, im Gespräch mit Bonhoeffer danach fragen, wie sich Führung und Seelsorge zueinander verhalten sollten.

„Death in the Christian Message“ sollte die Vortragsreihe der Croall Lectures heißen, zu der Bonhoeffer von John Bailey nach Edinburgh eingeladen worden war. Er hätte auch jedes andere theologische Thema wählen können. Aber ehe er mit den Vorbereitungen auf die 1875 gestiftete Vorlesungsreihe beginnen konnte, begann der Zweite Weltkrieg. Es gibt nicht einmal Notizen und schon gar keine Texte Bonhoeffers über dieses Thema, aber es gibt die „Botschaft seines Lebens“ und 270 kurze oder längere Texte in den Dietrich Bonhoeffer Werken zum Thema Tod. Bonhoeffers Gedanken über den Tod in der christlichen Botschaft heißt das Thema des letzten Vortrags, den Ferdinand Schlingensiepen bei einer Jahrestagung der Bonhoeffer-Gesellschaft in Eisenach halten möchte.

Beim Ausflug am Freitagnachmittag werden wir uns diesmal die Welt von oben ansehen. Wir fahren zum Baumkronenpfad im Nationalpark Hainrich. Über den Wipfeln der Baumriesen hat man einen eindrucksvollen Blick auf diesen Urwald, der zum UNESCO-Weltnaturerbe gehört. Ein Lift erleichtert das Erreichen des Höhenweges. Parallel dazu werden auf dem Forschungsforum aktuelle Dissertations- und Habilitationsprojekte vorgestellt.

Am Samstagmittag werden Preisträger des aktuellen Schulwettbewerbs zu Unterrichtsentwürfen und Projekten über Dietrich Bonhoeffer (siehe die Ausschreibung im letzten Rundbrief; Einsendeschluss 31. Mai) ausgezeichnet.

Und am Samstagnachmittag findet die Mitgliederversammlung statt, in deren Rahmen auch ein neuer Vorstand für die nächsten fünf Jahre zu wählen ist. Wolfgang Kohl und Prof. Wolf Krötke sowie auch ich selbst werden nicht mehr für den Vorstand kandidieren. Eine gesonderte Einladung für die Mitgliederversammlung finden Sie im nächsten Rundbrief.

Den Tagungsabschluss bildet ein gemeinsamer Gottesdienst am Sonntagmorgen unten in der Stadt.

Besonders hinweisen möchte ich auf das Angebot der Kinderbetreuung während der Jahrestagung. Denn wir freuen uns immer besonders, wenn junge Familien auf der Tagung dabei sein können. Während der Hauptvorträge, der Arbeitsgruppen und des Forschungsforums besteht die Möglichkeit für Tagungsteilnehmende, ihre Kinder durch eine pädagogisch ausgebildete Person betreuen zu lassen. Die Kosten für die Betreuung übernimmt die ibg.

Berlin war schön. Aber es wird auch schön sein, wieder in Eisenach, auf dem Haus Hainstein, zu tagen. Ich freue mich schon jetzt auf die theologische Arbeit, den Gedankenaustausch und das Zusammensein mit Ihnen dort.

Bis dahin wünsche ich Ihnen alles Gute

Ihre Christiane Tietz


 

Donnerstag, 13. September

18.30 Abendessen

20.00 Eröffnung der Tagung  Prof. Dr. Christiane Tietz

20.15 Dietrich Bonhoeffer - Seelsorge zwischen Kerygma und Diakonie (Prof. Dr. Peter Zimmerling)

21.00 Diskussion im Plenum

21.30 Tagesausklang

 

Freitag, 14. September

8.00 Morgenandacht in der Kapelle

8.30 Frühstück

9.30 Vom Leid der Nachfolge und der Nachfolge im Leid. Bonhoeffer und die Theodizee-Frage (Prof. Dr. Hartmut Rosenau)

10.15 Diskussion im Plenum

10.45 Kaffeepause

11.15 Arbeitsgruppen

12.30 Mittagessen

14.00 Ausflug Nationalpark Hainich - Baumkronenpfad

Parallel: Forschungsforum (Dissertations- und Habilitationsprojekte)

19.00 Abendessen

20.30 Tagesausklang

20.45 Filmangebot: Kurzfilm "Zelle 92"; "Gottes fröhlicher Partisan. Karl Barth"

 

Samstag, 15. September

8.00 Morgenandacht

8.30 Frühstück

9.30 Menschen führen heißt für ihre Seele sorgen. Zu Risiken und Nebenwirkungen einer These in kirchenleitender Absicht im Gespräch mit Dietrich Bonhoeffer (OKRin Dr. Christina-Maria Bammel)

10.15 Kurze Diskussion im Plenum

10.30 Kaffeepause

10.45 Arbeitsgruppen

12.00 Preisverleihung des Wettbewerbs Unterrichtseinheiten und Schulprojekte zu Dietrich Bonhoeffer

12.30 Mittagessen

15.00 Mitgliederversammlung der ibg und Vorstandswahl

18.30 Abendessen

20.00 Bonhoeffers Gedanken über den Tod in der christlichen Botschaft (Dr. Ferdinand Schlingensiepen)

21.00 Tagesausklang

 

Sonntag, 16. September

10.00 Gottesdienst in einer Eisenacher Kirche (Predigt: Prof. Dr. Christiane Tietz)

 

Anmeldeformular

Kostenübersicht

 

 

Vom Letzten im Vorletzten.
Zentrale Themen reformatorischer Theologie bei Dietrich Bonhoeffer

  • Nachlese zur Jahrestagung 2017 in Berlin

Wir freuen uns, daß sich einige Teilnehmer bereit erklärt haben, über die Jahrestagung in Berlin 2017 zu berichten und ihre Eindrücke zu schildern.

Für die Bilder bedanken wir uns herzlich bei Christina Vater, Wilfried Schulz und Albrecht Häußler.

 

Dr. Katharina D. Oppel, München: Bericht über die Stadtrundfahrt Bonhoeffer in Berlin am Samstag, den 9. September 9.30 Uhr – 13 Uhr,

Im Rahmen der ibg-Jahrestagung 2017 gab es in diesem Jahr eine Berlin-Rundfahrt der besonderen Art. Vorbereitet von zwei besonders kenntnisreichen Stadt-Führern, Herrn Pfr. Brezger und Herrn Schulz, die beide auch in „Bonhoeffers Stadt“ leben.

Martin Dubberke, seit Oktober 2015 als Geschäftsführer selbst Bewohner des Bonhoeffer-Hauses in der Marienburger Allee 43 trug das seine dazu bei, dass wir diesen Ort als Treffpunkt der Bonhoefferschen Großfamilie erleben konnten. Trotz des Regens und des sehr gedrängten Programms fuhren 66 Personen mit. Ein großer Bus und ein zusätzliches Großraum Taxi waren nötig, so groß war das Interesse durch die verschiedenen Nationalitäten und Generationen. Auch diverse Umleitungen und Baustellen vermochten die  gute Stimmung nicht zu vertreiben.

Auch der Besuch in der Zionskirche beeindruckte, nicht zuletzt dadurch, dass Pfr. Brezger uns diesen Raum zum einen als Kirche von Bonhoeffers Konfirmandengruppe erschloss, sondern ebenso als Ort einer Gruppe junger Umwelt-Aktivisten, die seit 1987 unmittelbar die DDR-Friedensbewegung beeinflusste.

Herr Schulz hatte dankenswerterweise ein reich bebildertes Heft zusammengestellt, in dem man die vielen kleinen und größeren Plaketten und Gedenkorte die in Berlin mit Bonhoeffers Leben verbunden sind noch einmal Revue passieren lassen konnte. Ein für die Kürze der Zeit zugegebenermaßen sehr dichtes Programm, das dennoch ein sehr eindrückliches Erlebnis für alle Teilnehmenden war.

 

Ulrike Wendt, Bruderhof Bonhoeffer e.V.

Mit großer Vorfreude mache ich mich auf den Weg.

Diesmal Berlin - unsere geschichtsträchtige Hauptstadt. Beindruckend auf Bonhoeffers Spuren zu gehen - in sein Elternhaus - an seinem Schreibtisch zu  sitzen - in seiner Kirchezu stehen....

Randvoll war jeder Tag mit hervorragenden Vorträgen im Spannungsfeld zwischen Luther und Bonhoeffer, von excellenten  Referenten vorgetragen.

Zum Kennenlernen, Meinungsaustausch und zur Wiedersehensfreude, war Zeit während der guten leckeren Mahlzeiten.

Es ist ein Eintauchen in ein freundliches Miteinander voller Respekt und Würdigung von Alt und Jung , wo Kritik nicht verletzt.

Eingerahmt war jeder Tag von Morgen- und Abendandacht.  Der Sonntagsgottesdienst im Dom war für mich ein weiterer Höhepunkt.

Für mich und meine Arbeit hier im Bruderhof Bonhoeffer, waren die Tage wieder eine Kraftquelle, voll Ansporn , Hilfe und neuen Kontakten.

Danke für diese Möglichkeit!


Pfarrer Albrecht Häußler

Viele Teilnehmende verloren nie ganz das Gefühl, bei der Jahrestagung in Berlin in der Fremde zu sein. Zu sehr wurde die anheimelnde Atmosphäre des traditionellen Tagungsortes, Haus Hainstein in Eisenach, vermisst.

Dabei hatte der Tagungsort Berlin große Vorteile. In Berlin verbrachte Dietrich Bonhoeffer Kindheit, Jugend, Studium, Vikariat, Lehrtätigkeit und seine Haftzeit; die Hauptstadt ist der authentischere Bonhoefferort. In Zusammenarbeit mit der Evangelischen Akademie wurde ein größerer Kreis Interessierter in die Jahrestagung einbezogen. Für Ferngereiste sticht Berlin als Verkehrsknoten auch ohne den BER-Flughafen Eisenach aus.

Dennoch ist die Vorfreude auf ein Wiedersehen in Eisenach auch bei mir groß!

Durch die Vorträge spann sich, neben anderen Ausführungen, ein roter Faden. Es ging um zugespitzte Aussagen der Reformatoren und Dietrich Bonhoeffers, wie sie zueinander standen, in Spannung, Opposition oder Gleichklang. Diese Zuspitzung drückte sich in der Reformation im „solus“ (allein) aus; formelhaft verwendet Bonhoeffer das „nur“. Beide Formulierungen beschreiben Ausschließlichkeiten. In einem ersten Vortrag standen sich „Solus Christus“ und „Christus als die Mitte“ gegenüber. Die „Mitte“ ersetzt hier das „nur“ in gleicher Bedeutung. Eine der Fragen war: Wie gehen wir im Kontext verschiedener Konfessionen und Religionen mit dieser Ausschließlichkeit um? In seinem Einführungsreferat brachte Pierre Bühler, Zürich, das Bild der Ellipse mit zwei Brennpunkten auf. Zur „Mitte“ Christus können wir auch andere Fragestellung und Erfahrungen als zweiten Brennpunkt stellen. In dem Sinn mahnte er eine „bescheidenere Christologie“ an. - Mit dem Verhältnis zwischen Gnade und Werken, Gehorsam und Glauben setzte Wilfried Härle, Heidelberg, das Nachdenken über Luther und Bonhoeffer fort. „Wie billig ist gratis?“ fragte er. Auch im Abendvortrag von Altbischof Huber wurde das „nur“ besprochen und relativiert. Die Zuspitzung bei Bonhoeffer hatte ihren Hintergrund in der alles unterwerfenden nationalsozialistischen Ideologie. Die einprägsamen „Nur-Sätze“ werden von Bonhoeffer so erweitert und ergänzt, dass sie vielfältige Möglichkeiten des Glaubens und der christlichen Verantwortung eröffnen.

Was im einzelnen gemeint war, kann in den Redemanuskripten nachgelesen werden, wenn sie in dem Bonhoeffer-Rundbrief erscheinen werden.

Aber es gab noch mehr. Ellipsengleich bildete das Forschungsforum an einem Nachmittag einen ganz eigenen Schwer- und Brennpunkt. Mit den Arbeiten von Almut Bretschneider-Felzmann, Luisa Seelbach und Dominik Weyl werden neue Felder der Bonhoefferforschung beschritten. Die Vorstellung ihrer Vorhaben vor einer Öffentlichkeit soll Anregungen geben und die Promoventen auf ihrem Weg bestärken.

Mit weiteren Vorträgen, Unternehmungen und Begegnungen hat sich Berlin als ganz eigener Brennpunkt erwiesen. Vielleicht lässt sich das Bild der Ellipse auch hier bedienen: In Zukunft in Eisenach als einem Brennpunkt und ...


 

 

 

 

Ferdinand Schlingensiepen
Christiane Tietz
Hartmut Rosenau
Peter Zimmerling

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