Dietrich Bonhoeffer: Fragmente aus Tegel

Dietrich Bonhoeffer:

Fragmente aus Tegel

Werkausgabe, Band 7

Herausgegeben von Renate Bethge und Ilse Tödt

Dietrich Bonhoeffer Werkausgabe: Fragmente aus Tegel

Gebunden mit Schutzumschlag, 315 Seiten, 13,0 x 20,5 cm
ISBN: 978-3-579-01877-5

Die Fragmente aus Tegel dokumentieren Bonhoeffers literarische Versuche, die Situation der Haft im Tegeler Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis zu bewältigen. Drama, Roman und Erzählung begreifen Leben und Tod, Anfang und Ende vom Osterlicht her: Tod, wirkliches Ende, kann Anfang von Leben sein, in dem die Kraft der Auferstehung wirkt.

I

Dietrich Bonhoeffers Haft im Wehrmachtuntersuchungsgefängnis Tegel begann am 5. April 1943.

Die Aufnahmeformalitäten wurden korrekt erledigt. Ich wurde für die erste Nacht in eine Zugangszelle eingeschlossen; die Decken auf der Pritsche hatten einen so bestialischen Gestank, daß es trotz der Kälte nicht möglich war, sich damit zuzudecken. … Ich wurde in die abgelegenste Einzelzelle auf dem oberen Stock gebracht. … Nach 48 Stunden wurde mir meine Bibel zurückgegeben. Sie war darauf untersucht worden, ob ich Säge, Rasiermesser etc. eingeschmuggelt hatte. Im übrigen öffnete sich die Zelle in den nächsten 12 Tagen nur zum Essenempfang und zum Heraussetzen des Kübels. Es wurde kein Wort mit mir gewechselt.

Herausgeholt aus dem Elternhaus durch Oberkriegsgerichtsrat Roeder und den Kriminalbeamten Sonderegger von der Gestapo, ohne daß ein Grund für die Verhaftung angegeben wurde, jäh getrennt von allem, was das Leben ausgemacht hatte, machtlos der Willkür eines menschenverachtenden Regimes preisgegeben, leere Zukunft vor sich: Menschen in solcher Situation trifft ein Haftschock.

Zwar besserten die äußeren Umstände sich bald. Das Gefängnispersonal war beeindruckt von der Person Dietrich Bonhoeffers. Auch seine verwandtschaftlichen Beziehungen zum Stadtkommandanten von Berlin, General Paul von Hase, dem auch die Militärgefängnisse unterstanden, flößten Respekt ein. Aber mit der Möglichkeit der Todesstrafe mußte er rechnen. Die Nachbarzellen waren fast nur mit gefesselten Todeskandidaten belegt. Nachdem ein halbes Jahr Untersuchungshaft verstrichen war, beschuldigte die Anklageschrift vom 21. September 1943 den Gefangenen Bonhoeffer der Wehrkraftzersetzung, eines in der Sicht der damaligen Machthaber todeswürdigen Verbrechens. Seine Beteiligung am Widerstand war noch nicht entdeckt worden.

In dieser Lage begann Bonhoeffer, Nicht-Theologisches zu arbeiten. Als erstes entstand ein Aufsatz über das Zeitgefühl. Der Text ist verschollen. Die Andeutung seines Inhalts Dankbarkeit und Reue sind es, die uns unsre Vergangenheit immer gegenwärtig halten erinnert an Notizen Bonhoeffers von 1940 für sein Buch über Ethik: Zeit ist leer, gefüllt durch Jesus Christus, der die Fülle der Zeit ist … Mir gehört die Vergangenheit. Dankbarkeit, Reue. Verbindung nach rückwärts. Tradition, Eltern, Geschichte, Wurzeln, das Erbe. Nicht abgeschnitten. Er beschäftigte sich mit einem Themenkomplex, den er in dem geplanten Buch behandeln wollte.

Grundlagen und Aufbau einer künftigen Welt war von Bonhoeffer 1940 als Titel für sein Ethik-Buch erwogen worden. Nach der Inhaftierung 1943 bedachte er weiter, auf welchem Fundament und in welcher Weise ein künftiges Gemeinwesen aufgebaut werden könnte. Für seine konkreten ethischen Überlegungen zum Aufbau hatte Bonhoeffer 1940 den Rahmen des Abendlandes gewählt und eine Beschränkung auf Deutschland zurückgewiesen.

Aber 1943, als sich Hitlers Machtbereich über weite Teile Europas und bis nach Nordafrika erstreckte, war allzu deutlich, daß zuerst das Problem bereinigt werden müßte, das Deutschland für die Welt geworden war. In der Hitlerjugend sang man damals: Wir wollen weitermarschieren, bis alles in Scherben fällt; denn heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt. An der Wende zum Jahr 1943 hatte Bonhoeffer die Dummheit analysiert, die die NS-Propaganda zynisch hervorrief: Im Gespräch mit dem Dummen spüre man geradezu, daß man es gar nicht mit ihm selbst, mit ihm persönlich, sondern mit über ihn mächtig gewordenen Schlagworten, Parolen etc. zu tun hat, in deren Bann er zu allem Bösen fähig wird.

Über das viel mißbrauchte Wort Deutschland, das unter die Schlagworte der nationalsozialistischen Revolution geraten war und dem Aufwiegeln der Massen dienen mußte, schrieb Bonhoeffer 1943 in der Tegeler Zelle einen langen, stark korrigierten Entwurf auf einem Bogen Durchschlagpapier nieder. Auf Papier derselben Sorte steht ein Personenverzeichnis und ein Aufriß von sechs Szenen eines Dramas, das hinauslaufen sollte auf ein Gespräch zwischen dem fünfundzwanzigjährigen Kriegsteilnehmer Christoph und Brüderchen: … denkst du an den lieben Gott? Ja, ich denke, wie er ein glücklicheres Deutschland … Eine weitergearbeitete Fassung des Entwurfs über Deutschland, geschrieben auf einem karierten Zettel, mündet in eine Szene, in der Renate, Ulrich und Brüderchen mitspielen. Was auf diesem Zettel steht, ist später fast wörtlich in die zweite Szene des Dramenfragments eingegangen. Renate Bethge erkannte darin eine Art säkularer, politischer Arkandisziplin.

Als vierte Szene war im Dramenaufriß auf dem Bogen Durchschlagpapier vorgesehen: Auf Reise … Fremder der die Wahrheit sagt. Pfarrer, ob man immer die Wahrheit sagen muß? An diesen Planungsstand schließt wohl ein Notizzettel mit neun Punkten an; oben auf dem Zettel sind Personen genannt, darunter Pfarrer, verändert zu Vikar. Der erste Punkt heißt: Mitteilung. Es scheint, daß die folgenden Punkte Christophs Selbstgespräche skizzieren, nachdem ihm gesagt worden ist, er sei sterbenskrank. Ihn beschäftigen Dinge wie Eigener Tod und Selbstmord.

Es gibt noch einen Zettel, auf dem die Stichworte Selbstmord und Tod erscheinen, und zwar so, wie im Dramenfragment Heinrich und dessen Besucher, der Handelsvertreter des Todes, davon sprechen. Hier bricht das Gespenstisch-Faszinierende des Abfalls vom Leben in die Dramenplanung ein. Den Tod darzustellen wie 1932/33 in der Auslegung der biblischen Sündenfallgeschichte hatte Bonhoeffer anfangs nicht vorgehabt. An dem Thema, das er behandeln wollte – dem Aufbau eines Gemeinwesens, in dem Menschen miteinander leben können –, hielt er fest. Im Dramenfragment wenden sich Heinrich und Christoph nach dem Abgang des unheimlichen Eindringlings alsbald diesem Thema zu.

Auf dem zuletzt erwähnten Zettel notierte Dietrich Bonhoeffer sich Formulierungen für einen Brief an die Eltern Anfang August 1943. Zu dieser Zeit war endlich im Reichskriegsgericht entschieden worden, daß Anklage gegen ihn erhoben würde. Bis dahin hatte er schwere Verhöre durchstehen müssen, in denen nichts gesagt werden durfte, was die Sache der Konspiration gegen Hitler und was die Mitverschwörer verraten würde. Über das bedrängende Thema Was heißt die Wahrheit sagen? – es ist auf dem Bogen mit dem Dramenaufriß angedeutet – entstand nebenbei ein Aufsatz.

Mitte August berichtete Dietrich Bonhoeffer seinen Eltern:

Ich hatte in den vergangenen Wochen einen Entwurf zu einem Schauspiel versucht, habe aber inzwischen festgestellt, daß der Stoff eigentlich nicht dramatisch ist und werde ihn nun in die erzählende Form umzuarbeiten versuchen. Es geht um das Leben einer Familie. Da mischt sich naturgemäß viel Persönliches ein.

Die dramatische Phase der Verhöre war vorüber. Bonhoeffer rechnete sich Chancen für einen Freispruch bei einem Prozeß aus. Aber zugunsten der Tarnung der Konspiration wurde im Einvernehmen mit den Familienangehörigen draußen der Prozeßtermin verschleppt. In dieser Phase des Wartens und einiger Ruhe schrieb er am Roman. Wenn ich nach ein paar Stunden völliger Versenkung in den Stoff mich wieder in meiner Zelle vorfinde, dann brauche ich immer wieder erst einen Moment, um mich zu orientieren.

Die im ersten Jahr im Wehrmachtuntersuchungsgefängnis Tegel entstandenen Stücke eines Dramas und eines Romans spielen in einer Vergangenheit, deren erhaltenswertes Erbe Bonhoeffer im Blick auf die Zukunft vergegenwärtigen wollte. Während das Drama erkennbar in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg führt, sind die Zeithinweise im Roman, vermutlich bewußt, unscharf. Die Gelbstiefel-Episode hätte einem Gestapo-Zensor, falls ihm Ähnlichkeiten mit dem Nationalsozialismus aufgefallen wären, als Familienerinnerung von 1910 erklärt werden können.

Im November 1943 tat sich die Möglichkeit auf, Briefe an und von Eberhard Bethge, der jetzt beim Militär war, unzensiert aus dem und in das Gefängnis zu schmuggeln. Sogleich nahm Bonhoeffer das briefliche Gespräch mit seinem Theologen-Freund auf. Am 23. Dezember kam das erste persönliche Treffen im Gefängnis zustande. Bethges Besuch habe ihm, schrieb Bonhoeffer am 1. Weihnachtstag 1943, die Anregung zu einer kleinen Arbeit gegeben und für die große Arbeit neu Mut und Lust gemacht. Der Ausdruck große Arbeit deutet auf das Buch über Ethik, für das er seit 1940 Manuskripte verfaßt hatte. Die erwähnte kleine literarische Arbeit über die Begegnung zweier langjähriger Freunde nach langer Trennung im Krieg wurde nicht fertiggestellt. Von den erhaltenen nichttheologischen Prosatexten brachte er nur die kurze in der Gefängnisgegenwart spielende Erzählung zu einem Abschluß. Im Jahr 1944 konzentrierte er sich auf theologisches Weiterdenken.

Bonhoeffer hat den belletristischen Versuchen viele Monate seines Lebens in einer Ausnahmesituation gewidmet. Im September 1943 schrieb ihm die Mutter Paula Bonhoeffer: Daß du zur Zeit Dich an eine Familiengeschichte gemacht hast, freut uns. Eine solche Bemerkung war günstig in Anbetracht der Briefzensur, erklärte sie doch das eifrige Schreiben des Häftlings als ein rein privates Unterfangen. Dieser aber übte sich im nichttheologischen Ausdruck seiner theologisch-ethischen Anliegen – ein Anfang dessen, worauf seine spätere Forderung einer nicht-religiösen Interpretation der theologischen Begriffe zielte. Dietrich Bonhoeffer, der Gefangene in Tegel, wollte von Gott nicht-religiös sprechen.

Den Stoff, den er behandeln wollte, schilderte er Eberhard Bethge als

eine Rehabilitierung des Bürgertums, wie wir es in unseren Familien kennen, und zwar gerade vom Christlichen her. Die Kinder zweier befreundeter Familien wachsen allmählich in die verantwortlichen Aufgaben und Ämter einer kleinen Stadt hinein und versuchen gemeinsam den Aufbau des Gemeinwesens …. Aber noch bin ich nicht weit über die Anfänge hinausgekommen.

Das Schreiben dieser Geschichte einer bürgerlichen Familie unserer Zeit nannte er ein kühnes Unternehmen. Vielleicht stellt es sich als tolle Anmaßung heraus?! Gewiß befürchtete er eine Anmaßung darin, daß er sich als Schriftsteller betätigte. Kühn aber notwendig erschien ihm der literarische Versuch, Menschen einer Zeit, in der religiös klingende Worte nichts wirklich Lebenswichtiges mehr bedeuten, anzusprechen auf ihre Verantwortung in der Welt vor Gott.

Eine methodische Eigenart in den 1940 – 1943 entstandenen Ethik-Manuskripten war Bonhoeffers Umgang mit einander ausschließenden Positionen. Er stellte Extreme dar, zum Beispiel Kompromißlösung und radikale Lösung, und gab nicht der einen Seite gegen die andere recht, sondern ließ die Spannung bestehen. Auch die beiden großen literarischen Fragmente von 1943/44 münden in eine derartige Konstellation. Sie ist am Schluß des Dramas im Gespräch zwischen Heinrich und Christoph erreicht, ebenso gegen Ende des Romans im Gespräch zwischen Christoph und dem Major. Es war Bonhoeffer wichtig zu zeigen, daß ernsthafte Spannungen ausgehalten werden müssen, statt sich mit kurz schlüssigen Lösungen zufriedenzugeben. Diesen langen Atem, diese Freiheit und Geduld hatte er besonders deswegen, weil er der Auferstehung Jesu Christi traute. Von der Auferstehung her leben – das heißt doch Ostern.

In Drama, Roman und Erzählung schrieb Bonhoeffer über Leben und Tod. Im Drama bringt die Großmutter Brüderchen das Psalmwort nahe: Lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, auf daß wir klug werden. Klugheit tut not für den Aufbau von Strukturen eines Gemeinwesens, die Leben ermöglichen. Im Roman weiß Paul über das Ende: Vielleicht ist es ein besserer Anfang. Vom Ende, der Beginn ist, sprach Bonhoeffer am Sonntag, dem 8. April 1945, am Tag vor seinem Tod im Konzentrationslager Flossenbürg. Anfang und Ende, Tod und Leben sah Bonhoeffer im Osterlicht: Tod, wirkliches Ende, kann Anfang von Leben sein, in dem die Kraft der Auferstehung wirkt. Wenn die Beobachtung zutrifft – und vieles spricht dafür –, daß Ende als Anfang das Tiefenthema der Tegeler Fragmente ist, dann kann die Folgerung lauten: Drama und Roman sind im Grunde so fertig, wie dieses unausschöpfbare Thema es erlaubt.

Von Bonhoeffers literarischen Texten wurde einiges sehr früh, vieles erst spät veröffentlicht. Der erste Teil der dritten Szene des Dramenfragments erschien 1948 in der Vierteljahreszeitschrift Die Schöpfung unter dem Titel Der Nachbar, eingeleitet durch eine Passage aus einem Ethik-Manuskript. Bei einer Veröffentlichung 1955 erhielt die dritte Szene den Titel Boden unter den Füßen. Teile der Gespräche am Ende des Romanfragments wurden 1954 unter dem Titel Glück und Macht in der Zeitschrift Unterwegs abgedruckt. Stücke aus der ersten und zweiten Szene und die gesamte dritte Szene des Dramenfragments sowie zwei Gesprächsgänge mit dem Major aus dem Romanfragment waren 1960 im dritten Band der Gesammelten Schriften Bonhoeffers in den Teil Zur Arbeit an der Ethik eingeordnet. Erst 1970 wurde in der Neuausgabe der Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft die Erzählung gedruckt; dabei erhielt sie den Titel Gefreiter Berg.

Nach langem Zögern erfolgte 1978 die vollständige Veröffentlichung der Fragmente aus Tegel – Drama und Roman. Inzwischen war ein weltweites Interesse sowohl an der Theologie als auch an der Biographie Dietrich Bonhoeffers erwacht. Die frühe Annahme eines Zusammenhangs dieser Fragmente mit Bonhoeffers Ethik trat zurück, die Aufmerksamkeit für Autobiographisches rückte in den Vordergrund. Der Literaturhistoriker Walther Killy stellte 1976 allerdings die zweifelnde Frage, ob man durch diese Texte wirklich ein runderes Bild des Autors gewinnen würde, und verwies beim Dramenfragment auf das Zeitgeschichtliche und beim Romanfragment auf die bürgerliche Situation im Dritten Reich. Die amerikanische Historikerin Ruth Zerner beobachtete in ihrem Essay für die erste Drucklegung 1978:

Bonhoeffers literarisches Zurückholen vergangener Erfahrungen und Emotionen wird wirkungsvoll und vielschichtig, wenn er die ihn tief bewegenden theologischen Wahrheiten in nichttheologische Abläufe und Sprache transponiert.

In einer Stellungnahme für die vorliegende Ausgabe der Fragmente betonte der Germanist Christoph Perels 1990, daß nicht das Literarische an ihnen, sondern das, dem es zum Vehikel dient, in erster Linie zu erörtern wäre. Und das sind Fragen der Politik und der Theologie. Er sei überzeugt davon, daß das warme Leuchten der Erinnerung an Selbsterlebtes die theologische Unruhe dieses Geistes nicht hat besänftigen können.

II

Die Manuskripte des Dramen- und des Romanfragments und der Erzählung sind erhalten geblieben und im Nachlaß unter NL A 70,4, NL A 70,5 und NL A 70,3 archiviert. Sie bilden die Grundlage für diesen Band 7 der Dietrich Bonhoeffer Werke. Ilse Tödt entzifferte die Originale neu und kontrollierte ihr Ergebnis anhand der früheren Druckfassung. Die wenigen Stellen, die 1978 noch nicht oder irrtümlich entziffert worden waren, sind in dieser Ausgabe ergänzt beziehungsweise korrigiert. Wo im Manuskript ein Wort versehentlich fehlt, steht es im Druck in eckigen Klammern. Formale Dinge wie die Hervorhebung der Namen der Sprecher im Drama oder die Titel der Personen im Roman sind im Haupttext vereinheitlicht. Im übrigen folgt der Druck den persönlichen Rechtschreibungs- und Zeichensetzungsgewohnheiten Bonhoeffers. Ein Faksimile zeigt den ersten Absatz der Erzählung in Bonhoeffers mit lateinischen Buchstaben geschriebener Reinschrift. Die Innenpaginierung gibt die Seitenzahlen der Fragmente-Ausgabe von 1978 und für die Erzählung vom Gefreiten Berg die Seitenzahlen in der Neuausgabe 1970 von Widerstand und Ergebung an.

Weder das Drama noch der Roman hat im Manuskript gliedernde Überschriften. Wo die zweite und die dritte Szene des Dramas beginnen, ist ohne ausdrücklichen Vermerk Bonhoeffers klar. Wir behandeln die drei Szenen wie Kapitel. Auch den langen Text des Romans haben wir aufgeteilt. Im Inhaltsverzeichnis und in den Kopfzeilen ist jeder Teil durch ein kurzes Zitat vom Beginn des Textstücks gekennzeichnet.

In Herausgeberanmerkungen erscheinen Angaben zu den Manuskripten sowie gestrichene oder ersetzte Wendungen und Textpassagen, die im neuformulierten Text nicht aufgenommen oder erheblich verändert sind. Darüber hinaus wird in Anmerkungen auf Bücher verwiesen, die Bonhoeffer vor und während der Haft bis Ende 1943 nachweisbar gelesen hat oder höchstwahrscheinlich kannte, wie den tausendfach aufgelegten, gefährliche Stimmungen unterstützenden Roman Volk ohne Raum von Hans Grimm. Vermerkt sind auch einige der vielen Erinnerungen, die Bonhoeffers Schilderungen bei Angehörigen und Freunden weckten.

Das Herausgebernachwort verfaßte in der Hauptsache Renate Bethge.

Im Anhang sind die kurzen erhaltenen Bruchstücke einer Erzählung über die Begegnung zweier Freunde abgedruckt. Ferner werden die jenigen Tegeler Zettel wiedergegeben, die das Schreiben des Dramenfragments vorbereiteten.

Das Abkürzungsverzeichnis enthält am Ende eine Erklärung der Zeichen, die in dieser Ausgabe benutzt sind. Dazu gehören neben dem geraden Strich – ¦ –, der Seitenwenden markiert, auch ˆ…ˆ und ⟨…⟩, Wiedergabezeichen für spätere Zusätze beziehungsweise Streichungen in Bonhoeffers Zettelnotizen.

Der erste Teil des Literaturverzeichnisses nennt die von Bonhoeffer benutzten Bücher, der zweite Teil die von den Herausgebern herangezogenen Veröffentlichungen oder unveröffentlichten Arbeiten über die Fragmente aus Tegel. Alle Autoren sind im Personenregister aufgeführt. Dort erscheinen auch die Namen der Gestalten in Bonhoeffers Drama, Roman und Erzählung. Ihre Bezeichnungen nach Amt oder Dienstrang stehen im Sachregister.

Wir danken allen, die sich zur Drucklegung von Bonhoeffers literarischen Fragmenten Gedanken gemacht haben, besonders Ruth Zerner, deren Essay Regression und Kreativität in der Ausgabe von 1978 anstelle eines Nachworts stand, und Ferdinand Schlingensiepen. Die Entstehung der neuen Druckfassung begleiteten getreulich Eberhard Bethge, Hans Pfeifer und – besonders als Neubearbeiter von Widerstand und Ergebung kompetent – Christian Gremmels.

Renate Bethge
Ilse Tödt
Villiprott und Hannover, am 5. April 1993

 

 

Drama

21

1. Szene

21

2. Szene

35

3. Szene

51

Roman

73

Sonntag

73

Es war ein heißer Julitag …

73

… am Ufer eines stillen Waldsees …

100

… eine scharfe, schnarrende Stimme …

113

… die Stimmen von Christoph und Renate …

128

Frau von Bremer und Klara …

138

Ich war dreizehn Jahre alt …

150

… als sollte ich auf dem Meer wandeln …

180

… die Glocken der uralten Kirche …

187

Erzählung

193

Leben und Werk

Bonhoeffer heute

Forschung

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