Dietrich Bonhoeffer: Sanctorum Communio

Dietrich Bonhoeffer:

Sanctorum Communio

Werkausgabe, Band 1

Eine dogmatische Untersuchung zur Soziologie der Kirche

Herausgegeben von Joachim von Soosten

Dietrich Bonhoeffer Werkausgabe: Sanctorum Communio

Gebundenes Buch, Pappband, 346 Seiten, 13,2 x 20,4 cm
2. durchgesehene und aktualisierte Auflage 2005
ISBN: 978-3-579-01871-3

Bonhoeffers frühe Arbeit über die soziale Gestalt der Kirche ist bis heute bedeutsam geblieben. Dieser Band gewährt Einblick in den vollständigen Text und seine Entstehungsgeschichte.

I

Die Anfänge sind denkbar profan. Nach einer telephonischen Verabredung vereinbarte Dietrich Bonhoeffer mit dem Berliner Dogmengeschichtler Reinhold Seeberg auf einem Begleitgang zum Bahnhof Mitte September 1925 um sieben Uhr morgens sein Dissertationsthema: Es bezieht sich auf das Thema über die religiöse Gemeinschaft, von dem ich Euch ja mal abends irgendwann erzählte, daß es mich interessieren würde. Die Briefe Bonhoeffers lassen erkennen, daß der Entschluß zur Promotion wahrscheinlich im Sommersemester 1925 fiel. Der selbstverständliche Ton, mit dem in den Briefen der Eltern mit dem Sohn im Sommer 1925 erwogen wird, ob eine künftige Arbeit bei Adolf von Harnack, Karl Holl oder Reinhold Seeberg ratsam wäre, macht deutlich, daß sich die akademischen Ambitionen Dietrich Bonhoeffers bruchlos in die familiären Gepflogenheiten einfügten. Das Thema der theologischen Doktorarbeit wird aus den Nachwirkungen des Romaufenthaltes herausgewachsen, an der Berliner Fakultät gereift und durch die Unruhe des theologischen Umbruchs forciert worden sein. In aufbruchshafter Stimmung kündigte Bonhoeffer seinen Eltern mit demselben Brief, mit dem er seinen definitiven Entschluß, bei Seeberg zu promovieren, mitteilte, den Beginn an der Arbeit an und bat um Geld für die ersten nun benötigten Bücher. Von – wie Bonhoeffer in einem überaus selbstkritischen Rückblick feststellte – wahnsinnige(m) Ehrgeiz getrieben, reichte er seine Dissertation im Juli 1927 der Fakultät ein. Daneben hatte Bonhoeffer sein Studium zu Ende geführt und in derselben Zeit, in der er an der Dissertation arbeitete, sieben Seminararbeiten und neun katechetische und homiletische Entwürfe angefertigt. Die hochwürdige Theologische Fakultät der Friedrich-Wilhelm Universität Berlin bitte ich unter Beifügung der Arbeit Sanctorum Communio. Eine dogmatische Untersuchung um Zulassung zur Promotion. Das Exemplar, das Bonhoeffer der Fakultät einreichte, trägt den Vermerk des damaligen Dekans, Prof. Arthur Titius, vom 8.7.1927 und eine Notiz des Doktorvaters Reinhold Seeberg, aus der hervorgeht, daß er die Arbeit am 18.7.1927 nebst einer Beurteilung zurückgereicht hat.

In seinem Gutachten gab Reinhold Seeberg folgendes Urteil über die Dissertation Dietrich Bonhoeffers ab:

Der Verfasser ist nicht nur auf theologischem Gebiet gut orientiert, sondern hat sich auch mit Verständnis in die Soziologie eingearbeitet. Er verfügt entschieden über eine starke systematische Begabung, wie die Dialektik im Aufbau seiner Arbeit im ganzen wie im einzelnen zeigt. Er bemüht sich seine Wege selbständig zu finden. Er ist immer bereit zu geschickter Auseinandersetzung mit anderen Meinungen. Auch wenn man seine Urteile nicht immer zu teilen vermag, wird man doch das wissenschaftliche Interesse und die Energie der Beweisführung gern anerkennen.

Charakteristisch für die Stellung des Verfassers ist seine starke Betonung des christlich ethischen Elementes, das ihm immer als Ausgangspunkt dient und von dem aus er gegen die Weltanschauung des Idealismus vielfach ankämpft. Die starke Skepsis erinnert an Heim, hier und da finden sich auch Berührungen mit Barth, wie schon die Terminologie (an-rufen, ant-worten) zeigt. Aber diese Einwirkungen werden von anderen durchkreuzt und sind nicht maßgebend für die Gedankenbildung des Verfassers. Die Darstellung ist im ganzen recht geschickt, wenn auch die bisweilen allzu strenge Systematik Wiederholungen mit sich führt. Die dialektischen Beweise des Autors sind nicht immer überzeugend. So etwa der wunderliche Beweis, daß ein Ich nur auf dem Umweg über Gott zur Erkenntnis eines Du kommen könne. Ebenso möchte ich nicht alles unterschreiben, was der Verfasser über die Struktur der empirischen Kirche dialektisch deduziert, z.B. ob der Typus Gesellschaft wirklich eine notwendige Ergänzung zu dem Gemeinschaftstypus in der Kirche bildet. Im übrigen werden gerade in diesem Zusammenhang vortreffliche Beobachtungen ausgesprochen. Den historischen Exkurs S. 112 ff. hätte der Verfasser sich schenken können, da er nichts Neues bringt. Ebenso sind die kritischen Bemerkungen über die kirchliche Praxis oder die Hoffnungsfreudigkeit bezüglich des Proletariats sowie die Geringschätzung des Bürgerlichen überflüssig, da sie nicht aus den Prinzipien der Arbeit herstammen, sondern nur subjektive Werturteile bringen. Endlich kann man auch der Kritik nicht immer beistimmen, die der Autor an anderen Ansichten übt (z.B. Troeltsch!).

Indessen das alles sind Mängel, wie sie jeder Jugendarbeit anhaften. Sie sind schließlich nur Kehrseiten der großen Vorzüge der Arbeit, der Begeisterung für das Christentum, der straffen Systematik in dem Aufbau der ganzen Studie, der inneren Hingabe an seine Aufgabe, der erfreulichen Selbständigkeit seiner Auffassung und des kritischen Vermögens sie wider andere Auffassungen zu vertreten. Im Ganzen kann die Arbeit als ein sehr erfreuliches Specimen erster wissenschaftlicher Erudition bezeichnet werden.

Ich beantrage daher, daß die hochwürdige Fakultät sie als Lizentiatenarbeit annimmt und schlage zu ihrer Beurteilung die Note I–II vor.

Nach der Rigorosumsprüfung und der öffentlichen Verteidigung seiner Promotionsthesen in der Alten Aula der Universität, bei der Robert Stupperich, Walter Dreß und Helmut Roeßler opponierten, erwarb Dietrich Bonhoeffer am 17.12.1927 den Grad eines Lizentiaten der Theologie mit dem an der Berliner Theologischen Fakultät äußerst selten erteilten Urteil summa cum laude.

Bonhoeffer hat in seinem Vikariatsjahr 1928 in Barcelona seine Lizentiatenarbeit für den Druck überarbeitet.

Was nun meine eigentliche theologische Arbeit angeht, so bin ich … am Streichen und Kürzen meiner Arbeit, die ich Ihnen dann, wie verabredet, Anfang November gerne schicken möchte,

schrieb Dietrich Bonhoeffer aus Barcelona an Reinhold Seeberg und teilte ihm Mitte Oktober 1928 mit, daß er mit seiner Umarbeitung fast fertig sei.

In der umgehenden Antwort unterrichtete Seeberg Bonhoeffer, daß er sich mit der Drucklegung seiner Arbeit wahrscheinlich zu gedulden habe, da der Verlag aufgrund seines Besitzerwechsels entsetzlich langsam arbeite. Sanctorum Communio sollte in den Neuen Studien zur Geschichte der Theologie und der Kirche erscheinen, einer Reihe im Verlag Trowitzsch & Sohn, in der Reinhold Seeberg vor allem dogmengeschichtliche Arbeiten herausgab. Nachdem für die Drucklegung Beihilfen des Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, der Notgemeinschaft für die deutsche Wissenschaft und der Reinhold Seeberg-Stiftung gewährt werden konnten, lag das Manuskript der Arbeit Ende März 1930 beim Verlag. Am 2. September 1930 überreichte der Verlag Bonhoeffer die ersten gedruckten Exemplare seiner Arbeit. Aufgrund der vom Verlag erwarteten schweren Verkäuflichkeit betrug der Ladenpreis des Buches 18 Reichsmark. Für die von Bonhoeffer zugesagte Summe von 900 Mark stellte ihm der Verlag 66 Exemplare zur Verfügung, für nachträgliche redaktionelle Veränderungen wurden zusätzliche 99 Arbeitsstunden im Verlag nötig, die mit weiteren 297 Mark zu Buche schlugen.

In seinem Antwortschreiben teilte Bonhoeffer dem Verlag eine Liste mit Adressen mit, an die ich bitte, Exemplare zu versenden. Den Rest bitte ich mir ins Haus zur weiteren Versendung zu schicken. Die finanzielle Regelung übernimmt meine Mutter, Frau Geheimrat Bonhoeffer, meine Adresse. Seeberg-Stiftung und das Ministerium werden vermutlich von sich aus direkt überweisen.

Das Echo auf Bonhoeffers erste theologische Veröffentlichung war überaus spärlich, das verzögerte Erscheinen mag dazu beigetragen haben. Die Theologische Literaturzeitung, die Reformierte Kirchenzeitung und das Protestantenblatt brachten Besprechungen. Ernst Wolf erwähnte das Buch am Rande eines 1933 in Zwischen den Zeiten erschienenen Aufsatzes.

Bonhoeffer selbst reiste noch Ende des Jahres 1930 zu einem Studienaufenthalt nach Amerika ab. Der Verlag, der um die noch ausstehende Bezahlung der Druckkosten besorgt war, schrieb an den Vater:

Andererseits mußten wir es als kränkend empfinden, daß Ihr Herr Sohn, auf dessen besonderen Wunsch wir die Drucklegung mit größter Beschleunigung zu Ende geführt hatten, sich nach Fertigstellung des Buches nicht mehr um dessen weiteres Schicksal kümmerte.

Tatsächlich hat Bonhoeffer für sein Buch nicht gerade geworben. Der Verbleib der übernommenen Exemplare ist ungeklärt, ein Handexemplar, in das sich Bonhoeffer Notizen gemacht hätte, findet sich nicht in seiner Bibliothek, seinen Freunden gegenüber erwähnte er seine erste Veröffentlichung nicht.

Die Denkform von Sanctorum Communio hat sich auf die Weiterentwicklung und den Lebensweg von Dietrich Bonhoeffer nachhaltig ausgewirkt. Hierin dürfte auch einer der Gründe dafür liegen, daß Ernst Wolf im Jahr 1954 das Buch als Band 3 der Reihe Theologische Bücherei. Neudrucke und Berichte aus dem 20. Jahrhundert beim Chr. Kaiser Verlag München wiederveröffentlichte. Ernst Wolf schrieb damals in seinem Vorwort:

Und doch ist die Dissertation innerhalb der verhältnismäßig geringen Zahl neuerer Monographien zur Lehre von der Kirche wohl die scharfsinnigste und vielleicht tiefsinnigste Behandlung der Frage nach der wesenhaften Struktur der Kirche, danach, ob und wie die empirische und die wesentliche Kirche logisch und soziologisch und in beidem zugleich theologisch unter einen Begriff zu bringen seien …

Die 3. Auflage in dieser Reihe besorgte dann 1960 Eberhard Bethge, der das Buch auch um einen Anhang, in dem die wichtigsten von Bonhoeffer gestrichenen Passagen dokumentiert wurden, erweiterte. 1969 erschien von dieser erweiterten Ausgabe eine 4. Auflage.

II

Die vorliegende Neuausgabe basiert auf der von Dietrich Bonhoeffer 1930 zum Druck beförderten Fassung seiner Dissertation:

Sanctorum Communio. Eine dogmatische Untersuchung zur Soziologie der Kirche (26. Stück der Neuen Studien zur Geschichte der Theologie und der Kirche. Hg. v. Reinhold Seeberg), Berlin und Frankfurt/Oder: Trowitzsch & Sohn, 1930.

Daneben liegen vor:

  • Das von Dietrich Bonhoeffer 1927 bei der Theologischen Fakultät der Universität Berlin eingereichte Exemplar seiner Dissertation Sanctorum Communio. Eine dogmatische Untersuchung (Sigle: A). Dieses Exemplar umfaßt 354 maschinenschriftliche Seiten und trägt die Vermerke von Arthur Titius und Reinhold Seeberg (Herrn Kollegen D. Seeberg zum Referat ergebenst, überreicht Berlin 8.7.27, Titius dec.; Mein Bericht liegt bei, Seeberg 18.7.27). Das Exemplar enthält die handschriftlichen Seitenbemerkungen Reinhold Seebergs sowie die handschriftlichen Kürzungen und Korrekturen von Dietrich Bonhoeffers Hand für den späteren Druck. Es befindet sich im Nachlaß Dietrich Bonhoeffers im Besitz von Eberhard Bethge.
  • Zwei handschriftliche Zusätze zur Dissertation: 1. Vier hsl. Seiten, für die Druckfassung überarbeiteter Beginn von Kapitel 3 Der Urstand und das Problem der Gemeinschaft, A. Methodische Probleme (s. S. 36 ff. Anm. 1) und 2. drei hsl. Seiten, für die Druckfassung neu eingearbeiteter Abschnitt Autorität und Freiheit in der empirischen Kirche (s. S. 172 f. Anm. 366).
  • Die Beurteilung der Dissertation durch Reinhold Seeberg (s. o. S. 2 f.) findet sich in der Promotionsakte Dietrich Bonhoeffers im Archiv der Humboldt-Universität Berlin.
  • Die Theologischen Thesen für die öffentliche Verteidigung der Promotion, Promotionsurkunde sowie Auszüge aus der Promotionsakte sind in DBW 9 abgedruckt. Die Druckvorlage für den Verlag Trowitzsch & Sohn existiert nach unserer Kenntnis nicht mehr; Eine Nachfrage bei dem Verlag M. H. Scharper, Hannover, in den der Trowitzsch-Verlag 1952/53 übergegangen ist, ergab, daß im Verlagsarchiv keine Unterlagen hinsichtlich des Druckes von Sanctorum Communio mehr aufzufinden sind.

Neben der Grundregel, den von Bonhoeffer für den Druck autorisierten Text möglichst unangetastet zu lassen, sind für die Textgestalt der Neuausgabe folgende Richtlinien maßgebend:

  • Sperrungen werden im Text kursiv wiedergegeben. An wenigen Stellen wurde die Schreibweise und Zeichensetzung stillschweigend verbessert. Ungebräuchliche Abkürzungen Bonhoeffers werden aufgelöst.
  • Worte, Sätze oder Passagen, die Bonhoeffer für den Druck gestrichen oder überarbeitet hat, werden im Apparat des Herausgebers präsentiert. Die textkritischen Anmerkungen wollen den Leser in die Lage versetzen, neben der zum Druck beförderten Fassung von 1930 die 1927 der Fakultät eingereichte ursprüngliche und längere Fassung von Sanctorum Communio zu lesen. Zu diesem Zweck wurden für die vorliegende Neuausgabe beide Fassungen miteinander verglichen. Alle Textvarianten und gestrichenen Passagen, die angemerkt werden, beziehen sich folglich auf das 1927 bei der Berliner Theologischen Fakultät eingereichte Exemplar. Dieses Fakultätsexemplar wird in der vorliegenden Ausgabe mit der Sigle A bezeichnet. Auf die Wiedergabe stilistischer Verbesserungen von der Hand Bonhoeffers wird in der Regel verzichtet. Ergibt sich allerdings eine Nuancierung der Bedeutung, so wird der ursprüngliche Text im Apparat dokumentiert.
  • Bei der Wiedergabe der Texte in ihrer ursprünglichen Gestalt wird zwischen ersatzlosen Streichungen (angemerkt durch: In A gestr. : ) und ersetzenden Korrekturen (angemerkt durch: ersetzt A: oder: ersetzt A: ) unterschieden. Bei Passagen, die Bonhoeffer so stark überarbeitet hat, daß Einzelverweise zu Unübersichtlichkeit geführt hätten, schien es angebracht, die ursprüngliche Fassung insgesamt im Apparat des Herausgebers zu präsentieren. Schließlich wird angemerkt, an welchen Stellen Bonhoeffer Absätze eingefügt und an welchen er Absätze zurückgenommen hat. Ferner wird vermerkt, wo ein ursprünglich im Text stehender Abschnitt in der Druckfassung von Bonhoeffer zu einer Anmerkung verwandelt worden ist. Nicht angemerkt wird hingegen, an welchen Stellen Sperrungen von Bonhoeffer zurückgenommen wurden.
  • Abkürzungen von Autorennamen und Buchtiteln in Bonhoeffers Anmerkungsapparat wurden aufgelöst; darüber hinaus wurde in die Anmerkungen nicht eingegriffen. Offensichtliche Inkonsequenzen formaler Art wurden allerdings stillschweigend korrigiert. Zitate Bonhoeffers wurden überprüft und Abweichungen von den Quellentexten im Apparat des Herausgebers vermerkt.
  • Bonhoeffers Literaturangaben sind nicht im Herausgeberapparat, sondern in einem eigens angefügten Verzeichnis der von Bonhoeffer benutzten Literatur verifiziert. Dort finden sich auch Verweise auf leichter zugängliche Ausgaben dieser Texte.
  • Auf Seitennachweise in bestimmten Editionen für Zitate von Platon, Aristoteles sowie Thomas von Aquins Summa theologica und der zweiten Auflage von Friedrich Schleiermachers Der christliche Glaube wurde verzichtet, da die von Bonhoeffer angegebenen Paragraphen und Stellen in verschiedenen leicht zugänglichen Ausgaben eingesehen werden können.
  • Schließlich werden die Randbemerkungen des korrigierenden Doktorvaters Reinhold Seeberg, sofern sie entziffert werden konnten, wiedergegeben; sie werden durch das Kürzel Korr. eingeleitet.
  • Die Restbibliothek Dietrich Bonhoeffers im Besitz von Eberhard Bethge wurde eingesehen. An ausgewählten Stellen wird auf Anstreichungen, Unterstreichungen oder Randbemerkungen in den von Bonhoeffer für Sanctorum Communio benutzten Büchern im Apparat des Herausgebers hingewiesen.
  • Lateinische Zitate Bonhoeffers werden im Herausgeberapparat übersetzt.
  • Die Anmerkungen Bonhoeffers werden kapitelweise durchlaufend gezählt. Im Unterschied zu den Herausgeberanmerkungen sind die Ziffern der Anmerkungen Bonhoeffers mit einer kleinen runden Klammer versehen.

Aus drucktechnischen Gründen wird der Apparat des Herausgebers entgegen den editorischen Verabredungen der Ausgabe Dietrich Bonhoeffer Werke (DBW) nicht am Fuß der Seite wiedergegeben, sondern in einem Anhang abgedruckt.

  • Herausgeber-Zusätze innerhalb von Texten Dietrich Bonhoeffers im Herausgeberapparat werden in eckige Klammern […] gesetzt.
  • Für Hervorhebungen wird die Kursive verwendet; insbesondere gilt dies für Stichworte aus dem Bonhoeffer-Text, auf die sich die Anmerkung des Herausgebers bezieht.
  • Die Anmerkungen des Herausgebers werden nach der Lesefolge gezählt; die Zählung selbst erfolgt kapitelweise durchlaufend.

Gemäß den editorischen Richtlinien für die Neuausgabe von Dietrich Bonhoeffers Werken erteilt der Anmerkungsapparat des Herausgebers fernerhin die nötigen Auskünfte über Anspielungen in Bonhoeffers Text. Nachgewiesen werden Anspielungen auf Bibeltexte, zeit- und kirchenpolitische Ereignisse, traditionelle Topoi der Philosophie und Theologie sowie zeitgenössische Kontroversen. Die Hinweise, die gegeben werden, sind in erster Linie an der von Bonhoeffer selbst benutzten Literatur orientiert. Sie wollen auf die Quellen aufmerksam machen, aus denen Bonhoeffer geschöpft hat, und sie möchten dem Leser einen Zugang zu der geistigen Landschaft eröffnen, in der Bonhoeffer sich zu bewegen begann.

Hierbei ist zu beachten, daß Bonhoeffer nicht nur die zeitgenössische philosophische wie theologische Terminologie aufgreift oder auf sie anspielt, sondern daß er sich vielfach in wichtigen Elementen und methodischen Entscheidungen seines eigenen Denkens von den Einsichten anderer leiten läßt. Dabei liegt sein Interesse nicht vorrangig darin, die Argumentation der Autoren, an die er anknüpft, nachzuvollziehen, eher bricht er das für seine eigene Argumentation wichtige Material aus ihnen heraus. Dieser Umstand hängt mit der stark konstruktivistischen Arbeitsweise Bonhoeffers zusammen. Die Anmerkungen des Herausgebers wollen die Einflußströme, aus denen sich das Werk speist, und die Einzelelemente, mit denen Bonhoeffer arbeitet, freilegen. Dadurch soll der Blick des Lesers für die Klärung der Frage nach dem Einfluß theologischer Denkrichtungen und dem speziellen Aneignungsmodus Bonhoeffers geschärft werden. Nicht zuletzt verbindet sich damit die Hoffnung, daß der Leser nicht nur die vielfältige Spannung, die durch Bonhoeffers Aneignungs- und Darstellungsweise erzeugt wird, und die ihn mitunter über Abgründe des Verstehens hinwegträgt, sondern auch die Frage, die gleichsam hinter dem Werk steht, selbst ermessen kann.

Die vorliegende Ausgabe wird beschlossen durch ein Verzeichnis der von Bonhoeffer zitierten Literatur, ein Nachwort des Herausgebers und eine Auswahlbibliographie der Sekundärliteratur zu Sanctorum Communio sowie Bibelstellen- , Personen- und Sachregister.

Die Innenpaginierung verweist auf die Seitenzahl der alten Ausgabe von Sanctorum Communio in der Theologischen Bücherei. Die genannten Seiten beginnen jeweils nach dem senkrechten Strich.

Abkürzungen im Apparat des Herausgebers richten sich nach dem Abkürzungsverzeichnis der Theologischen Realenzyklopädie (TRE), Berlin/New York 1976. Abweichend davon bedeuten DB: E. Bethge, Dietrich Bonhoeffer. Theologe – Christ – Zeitgenosse (1967 u.a.); DBW: Dietrich Bonhoeffer Werke, Bd. 1–17; Korr.: Randbemerkung des Korrektors Seeberg; und NL: Nachlaß Dietrich Bonhoeffer. Ein Verzeichnis. Archiv und Bibliothek, hg. v. E. Bethge, München 1986.

Die vorliegende Edition ist kaum das Werk eines Einzelnen. Der Herausgeber hat daher für vielfache Hilfe bei der Textredaktion, der Arbeit an den Anmerkungen und der Drucklegung herzlich zu danken. Die Ausgabe hätte ihre jetzige Gestalt nicht ohne das Gespräch, den Rat und die Kritik von Wolfgang Huber finden können. Mit ihm wurden die Anmerkungen kritisch durchgesehen und editorische Einzelfragen erörtert. Ernst Feil übernahm die Aufgabe der aufmerksamen Durchsicht des Manuskripts. Für umsichtigen Rat in Einzelfragen schulde ich Heinz Eduard Tödt und Christian Gremmels aufrichtigen Dank. Frau Renate Bethge und Eberhard Bethge gewährten dem Herausgeber Einsicht in die Restbibliothek Dietrich Bonhoeffers; für ihre Gast- und Gesprächsfreundschaft danke ich herzlich. Wertvolle Dienste leisteten C.-J. Kaltenborn, der im Archiv der Humboldt-Universität Berlin das Promotionsgutachten Reinhold Seebergs recherchierte, Frau Ilse Tödt, die das Gutachten wie auch die nur schwer lesbaren Randbemerkungen Reinhold Seebergs im Originalexemplar der Dissertation entzifferte, und Christoph Burger und das Institut für Spätmittelalter und Reformation der Universität Tübingen, die einige schwer auffindbare Lutherzitate verifizierten. Wolfgang Heger und Alfred Roos halfen bei der Kollationierung des Textes, Annette Lechner bei der Vervollständigung bibliographischer Angaben; Eva von Tilinsky und Ute Wolfsdorf sorgten für die sorgfältige Erstellung des Manuskripts, Anna Frese las die Druckfassung mit. Ralph Möllers unterstützte die Arbeiten am Register. Schließlich gilt mein Dank Ulrich Kabitz vom Chr. Kaiser Verlag und Herben Anzinger für die Fertigstellung des Manuskripts für die Drucklegung.

Joachim von Soosten
Heidelberg, den 18. Dezember 1985

1. KAPITEL: ZUR BEGRIFFSBESTIMMUNG VON SOZIALPHILOSOPHIE UND SOZIOLOGIE

15

2. KAPITEL: DER CHRISTLICHE PERSONBEGRIFF UND DIE SOZIALEN GRUNDBEZIEHUNGSBEGRIFFE

19

A. Die vier Schemata der sozialen Grundbeziehungsbegriffe und die

Auseinandersetzung des christlichen Person- und Grundbeziehungsbegriffs mit diesen

19

B. Gottesbegriff und soziale Grundbeziehungen unter dem Begriffe des Ich-Du-Verhältnisses

32

3. KAPITEL: DER URSTAND UND DAS PROBLEM DER GEMEINSCHAFT

36

A. Methodische Probleme

36

B. Das sozialphilosophische Problem : Die menschliche Geistigkeit und die Sozialität

39

I. Die strukturelle Offenheit des personalen Seins

39

II. Die strukturelle Geschlossenheit personalen Seins

45

C. Das soziologische Problem

51

I. Soziale Gemeinschaft als Willensgemeinschaft

51

II. Typologie der sozialen Gemeinschaften

55

III. Der objektive Geist

62

4. KAPITEL: DIE SÜNDE UND DIE GEBROCHENE GEMEINSCHAFT

69

A. Die Erbsünde

70

B. Die ethischen Kollektivpersonen

74

5. KAPITEL: SANCTORUM COMMUNIO

77

A. Grundsätzliches

77

l. Zusammenschluß des Vorangegangenen im Kirchenbegriff Rückblick und Ausblick

77

II. Leitsätze über die Anschauung des Neuen Testaments von der Kirche

85

B. Positive Darstellung: Hinführung zu den Grundproblemen und ihre Entfaltung

87

I. Die in und durch Christus gesetzte Kirche – Die Realisierung

90

II. Der heilige Geist und die Kirche Jesu Christi – Die Aktualisierung der wesentlichen Kirche

100

a) Die Geistvielheit

103

b) Geistgemeinschaft

106

c) Die Geisteinheit der Gemeinde – Die Kollektivperson

128

III. Die empirische Gestalt der Kirche

140

a) Der objektive Geist der Gemeinde und der heilige Geist

140

b) Logische Verhältnisbestimmung von empirischer und wesentlicher Kirche

147

c) Soziologische Gestalten und Funktionen der empirischen Kirche

154

1. Die gottesdienstliche Versammlung

154

2. Sanctorum communio als Träger des Amts

159

3. Soziologische Bedeutung der kultischen Handlungen

163

4. Das soziologische Problem der Seelsorge

170

d) Autorität und Freiheit in der empirischen Kirche

172

e) Die Kirche als selbständiger soziologischer Typus und ihre Einordnung in die soziologische Typologie Kirche und Sekte

173

f) Der Glaube an die sanctorum communio und das Erlebnis der Kirche

188

IV. Kirche und Eschatologie

193

Leben und Werk

Bonhoeffer heute

Forschung

ibg